Fehler - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 3 / 47

Fehler

• aus DER SPIEGEL 9/1951
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Am Krieg in Korea beteiligen sich auf westlicher Seite 14 Nationen*). Sanitätsmaterial schicken sieben**). Die Kriegführung hat allein die Amerikaner bisher 25 Milliarden Dollar gekostet. Für den Wiederaufbau des verwüsteten Landes stifteten 38 von 51 aufgeforderten UNO-Staaten bisher Geld und Waren für zusammen 0,02 Milliarden Dollar. Das macht pro Südkoreaner 98 amerikanische Cents. +

In einem Tagesbefehl geißelte der nordkoreanische Regierungschef Kim Il-sung die hauptsächlichsten Fehler seiner roten Streitkräfte:

* Mangelhafte Beachtung grundsätzlicher Kampfregeln, schlechte Ausnutzung der vorhandenen Waffen, fehlende Zusammenarbeit in größeren Verbänden;

* Zusammenhangloses Operieren, Nichtinformieren der Stäbe über lokale Aufklärungsergebnisse, Stümperhaftigkeit in der politischen Führung;

* Schlechte Zusammenarbeit mit den chinesischen Verbänden, besonders beim Nachrichtenaustausch. Geringere Standhaftigkeit als die Chinesen;

* Schlampereien beim Nachschub, besonders bei und nach Fliegerangriffen. Die Fronttruppe werde dadurch im Stich gelassen. +

»Der größte Teil unserer Genossen erwartet, daß unsere chinesischen Brüder in Korea die imperialistischen Kräfte ins Meer jagen«, sagte in Düsseldorf Funktionär

*) Australien, Belgien, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Holland, Kanada, Kolumbien, Luxemburg, Neuseeland, die Südafrikanische Union, Thailand, die Türkei und die USA. **) Dänemark, Indien, Israel, Italien (geplant), Kuba, Paraguay und Schweden.Palitschka von der kommunistischen Freien Deutschen Jugend in einem internen Referat. »Das liegt aber nicht im Interesse unserer Weltrevolution. Hinhaltende Kämpfe, die starke UNO-Verbände - vor allem der USA - binden, sind das Gebot der Stunde. Diese westlichen Streitkräfte werden fehlen, wenn es heute oder morgen in Europa zu einem Konflikt kommt.« +

Die Bruderschaft sei nicht mehr propagandistisch anzugreifen, sagte Palitschka im gleichen Referat. Sie sei ein wertvoller Bundesgenosse bei der »Ohne mich«-Aktion. Bruderschafts-Erster Franke-Grieksch gab inzwischen eine neue Deutung für die sowjetische Verhandlungsbereitschaft mit dem Westen: die Zweiteilung der Welt in Ost und West werde sich in Kürze ändern, und zwar in Gelb und Weiß. Die asiatischen Völker seien nicht gewillt, statt der westlichen Herrschaft eine sowjetische auf sich zu nehmen. Moskau habe diese Tendenz erkannt und sei bereit, sich der russischen Tradition gemäß auf die weiße Seite zu schlagen. +

Burmas Botschafter in Peking, U Myint Thein, hat seiner Regierung dringend geraten, ein nördliches, Portugal - großes Grenzgebiet freiwillig an Rotchina abzugeben. Zur Zeit kann sich Burmas Premier Thakin Nu nur mühsam gegen die in Mittelburma operierenden »weißen« und »grünen« Kommunisten durchsetzen. Die ihm an der Nordostgrenze im Burma-Straßen-Gebiet gemeldeten 100 000 »roten«

Kommunisten der chinesischen »Volksbefreiungsarmee« könnten mühelos die 16 Millionen Buddhisten und Anarchisten seines reis-, erdöl-, blei- und teakholzreichen Landes in einen neuen grauenvollen Bürgerkrieg stürzen. Bei der kürzlichen UNO-Abstimmung über Rotchinas Brandmarkung als Aggressor stimmte Burma vorsichtshalber gegen die Verdammung seines großen roten Nachbarn.

Zur Ausgabe
Artikel 3 / 47