Am Rande Fehlpaß
Für einen Mathematiker ist Logik eine glasklare Sache: Wenn a gleich b ist und b ungleich c, dann kann a auch nicht gleich c sein. In der Mathematik und mit den Buchstaben a, b und c funktioniert das ganz großartig, aber im richtigen Leben sieht's dann anders aus, vor allem, wenn die Buchstaben C, S und U heißen: Die CSU hatte in der vergangenen Woche einen Dringlichkeitsantrag gegen die doppelte Staatsbürgerschaft auf die Tagesordnung des Bayerischen Landtags setzen lassen. Aber leider: Als der Antrag aufgerufen wurde, befand sich kein einziger CSU-Abgeordneter im Plenarsaal. Später trudelten dann ganze 20 CSUler ein - mit der Folge, daß der Antrag abgewiesen wurde. Die restlichen Abgeordneten hockten am Stammtisch und überzogen die Mittagspause.
Nun sind gemäß Stammtisch-Wissen die Deutschen ja bekanntlich pünktlich, gewissenhaft und arbeitsam, während Ausländer mit Skepsis betrachtet werden müssen, schon weil sie die Siesta erfunden haben. Nach der Logik müßte also die CSU-Fraktion nahezu komplett aus Ausländern bestehen (was immerhin erklären würde, weshalb die Partei ihren eigenen Antrag durchfallen läßt).
Nur: Wenn es denn stimmt, daß dem CSU-Abgeordneten die ungestörte Brotzeit dringlicher ist als der dringendste Dringlichkeitsantrag, dann stellt sich doch die Frage: Wie lassen sich diese Menschen in unsere Fleiß- und Wertegemeinschaft integrieren? Reicht da noch der Doppel-Paß? Darüber wird dringend gesprochen werden müssen. Nur nicht direkt nach der Brotzeit.