ITALIEN Fehlstart in Rom
Die 57. italienische Nachkriegsregierung, zwei Tage vor Weihnachten gekürt, stolpert von einer Panne zur nächsten. Schon jetzt wird im Mitte-Links-Lager diskutiert, ob der gerade wieder gewählte Regierungschef Massimo D'Alema bereits im kommenden Sommer abgelöst werden muss. Für Spott beim Gegner und Entsetzen in den eigenen Reihen sorgte D'Alema mit der Kür eines Alt-Faschisten und erklärten Bewunderers von Benito Mussolini zum Verteidigungs-Staatssekretär. Dankbar lobte Romano Misserville, der voriges Jahr aus der oppositionellen Alleanza Nazionale wegen finanzieller Unstimmigkeiten ausgestoßen worden war, den Ex-Kommunisten D'Alema öffentlich für dessen »rechtes Programm«. Nach zwei Tagen musste er abgelöst werden. D'Alemas wackelige Sieben-Parteien-Koalition stützt sich auf etliche der 108 Volksvertreter, die in der laufenden Legislaturperiode die Fronten wechselten, manche womöglich geködert mit Geld. So veröffentlichte ein Lega-Nord-Abgeordneter jetzt den Mitschnitt eines Telefonats, in dem ihm ein ehemaliger Fraktionskollege bis zu 500 000 Mark sowie einen lukrativen Job anbot, wenn er aus der Opposition ins Regierungslager wechsele. Um eine Mehrheit zu finden, musste D'Alema auch einen peinlichen Personalrekord aufstellen: Damit jede Gruppierung ausreichend mit Amtssesseln, Sekretariaten und Dienstwagen versorgt ist, gehören der neuen Regierung neben 26 Ministern auch 65 Staatssekretäre an. Der konservative Premier Silvio Berlusconi war 1994 noch mit 37 Staatssekretären ausgekommen. Alle Hoffnungen, eine neue Garde von Reformpolitikern könne die traditionellen Machtspielchen italienischer Salon-Strategen beenden, sind durch D'Alemas Postenschacher wieder geschwunden.