FEIERABEND
Sie brauchen sich gar nicht über die katholische Kritik an den sich wie eine Epidemie ausbreitenden Jugendweihen zu mokieren. Gerade das Hamburger Beispiel zeigt, daß man krampfhaft versucht, mit »Riten« eine Pseudo -Feierlichkeit vorzugaukeln, die im Inneren hohl ist. Dadurch soll der Eindruck entstehen, daß es mit Äußerlichkeiten getan ist. Jeder Christ hat die Pflicht, diesem Irrglauben im Interesse der Jugendlichen scharf zu begegnen.
Paderborn JOSEF SCHULTEN
Seit vielen Jahren geht in Hamburg jeder siebente Schulabgänger zur Jugendweihe statt zur Konfirmation. Die Ankündigung zu den Vorbereitungskursen hängt in den Schulen am Schwarzen Brett friedlich neben der Aufforderung, sich zum Konfirmandenunterricht zu melden. Die Schulräume werden der »Jugendweihe« ebenso genehmigt wie jeder anderen weltanschaulichen oder kulturellen Gemeinschaft, deren Rechte in Grundgesetz verankert sind. Was verstehen denn gewisse katholische Kreise eigentlich unter Demokratie? Wissen sie nicht, mit welcher Toleranz gerade sie in Hamburg behandelt werden? Für ihre sechs Prozent katholische Steuerzahler besitzen sie mit staatlicher Unterstützung 14 eigene Volksschulen und zwei Gymnasien. Und da wollen sie den 14 Prozent der nicht den beiden großen Kirchen angehörenden Hamburger das Recht auf staatliche Räume streitig machen?
Hamburg WILMA MEZULAT
Es ist mir unerfindlich, warum Ihr Bericht
über die Jugendweihe unter »Weltanschauung« rubriziert wurde. Im Grunde handelt es sich doch nur um den Versuch, der SPD etwas am Zeuge zu flicken, die unmittelbar mit der Jugendweihe gar nichts zu tun hat. Natürlich wirken SPD -Mitglieder ebenso wie Mitglieder anderer Parteien und Parteilose bei der Jugendweihe mit. Es wäre doch wohl seltsam, wenn im großen Mitgliederkreis der SPD nicht auch Anhänger einer freigeistigen
Weltanschauung zu finden wären. Der Berichterstatter hat mit offenbarer Genüßlichkeit Nebensätze zu Hauptattraktionen gemacht und das Thema »Weltanschauung« sorgfältig umgangen.
Die Frage meiner Konfessionszugehörigkeit ist nie von meiner Lohntüte beeinflußt worden. Ich gehöre zu den Sonderlingen, die sich ihre Überzeugung etwas kosten lassen. Oder glauben Sie, daß es für einen Geschäftsmann wie mich gewinnbringend ist, wenn er so exponiert als Vorsitzender der »Arbeitsgemeinschaft Jugendweihe« dem in der Bundesrepublik üblichen konfessionellen Konformismus die Stirn bietet?
Hamburg FRITZ WARTENBERG
Wird Herr Brandt auf diesen Artikel hin endlich die wahlkampfhinderlichen Freidenker aus der SPD hinauswerfen, um diese Partei in einem Punkt mehr der CDU anzugleichen? Da war doch Hitler klüger, der 1933 seinen Mannen den Kircheneintritt anbefahl. Jetzt wird's aber Zeit, sonst erscheinen irgendwo noch Proskriptionslisten nicht kirchenzugehöriger SPD-Politiker!
Hagen (Westf.) PETER LINSCHEIDT
Die Katholiken vergessen gar zu gern, daß zur Demokratie auch die Glaubensfreiheit gehört. Sie möchten am liebsten den Spieß umdrehen und jeden zu einer »christlichen Jugendweihe« zwingen. So wäre die »rote« durch die »schwarze« Diktatur ersetzt. Die katholischen Stellungnahmen zur Jugendweihe westdeutscher Prägung beweisen wieder einmal, daß nur die Existenz
der evangelischen Christenheit in Deutschland die Freiheit des Geistes, des Glaubens und der Demokratie garantieren kann.
Altenkirchen KLAUS IMMER
Wartenberg