FEINDBERÜHRUNG - DER SPIEGEL
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Briefe

FEINDBERÜHRUNG
• aus DER SPIEGEL 28/1965
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FEINDBERÜHRUNG

Es ist nicht verwunderlich, daß das Buch »The Green Berets«, in dem der amerikanische Journalist Robin Moore über die Anti-Guerillakämpfer der US -Army in Vietnam berichtet, das Pentagon und den US-Geheimdienst schockiert und die Dienststellen veranlaßt hat, den Kriegsbericht als Propagandamaterial für die Kommunisten zu bezeichnen. Denn der vom SPIEGEL abgedruckte Auszug aus dem Moore-Buch über die - von den US-Beratern gebilligte - Folterung eines angeblichen kommunistischen Rebellen durch den südvietnamesischen Unteroffizier Ngoc erinnert in erschreckender Weise an Gestapo-Methoden und widerspricht den amerikanischen Darstellungen von alleinigen Greueltaten der Vietcong im schmutzigen Krieg. Wenn das Buch nicht von einem Amerikaner geschrieben worden wäre, der das Geschehen in Vietnam selbst miterlebt hat, könnte man tatsächlich an ein kommunistisches Märchen glauben, doch so beweist es deutlich, daß auch Südvietnamesen und Amerikaner vor dem Unrecht nicht zurückschrecken.

Essen MAX KÖHLER

Sie bringen einen Bericht über die Folterung eines Vietcong. Das ist gut. Denn es ist allmählich unerträglich, daß die bigotten Amerikaner lautstark protestieren, wenn an der Mauer in Berlin ein Mann erschossen wird, während sie selbst in Vietnam die schrecklichsten Greueltaten begehen und Greise, Frauen und Kinder töten. Diese Doppelzüngigkeit widert einen an.

Neustadt (Rhld.-Pfalz)

DIPL.-RER. POL. HANS ZUCHHOLD

Nach diesem Augenzeugenbericht ist es wohl nicht mehr möglich, irgend etwas, was mit dem Krieg der USA in Vietnam zu tun hat, mit irgendeinem Inhalt des Begriffs Freiheit zu verbinden. So ein staatlich sanktionierter Sadismus paßt weder in ein demokratisches noch in ein freiheitliches System.

Düsseldorf PETER HERMANN

Die von Amerikanern geduldeten, wenn nicht gar unterstützten Folterungen verdächtiger Gefangener unterscheiden sich in nichts von den Bestialitäten der KZ-Schergen.

Köln DETLEV WAGNER

Wenn man sich die Sache genau überlegt, dann kommt man zu der Überzeugung, daß es sich in Südvietnam nicht mehr um einen Kampf gegen den Kommunismus handelt, denn die Folterungen erinnern unheimlich an die Art, wie Rom über 1000 Jahre lang mit rücksichtsloser Brutalität seine Macht aufgebaut hat.

Stuttgart FRITZ DONGUS

Der Auszug aus dem Buch »The Green Berets« hat mich tief beeindruckt. Nach der Lektüre dieses Berichtes dürfte es

keine Zweifel mehr geben, warum die Vietcong bei der Bevölkerung Südvietnams Sympathien genießen. Das Regime in Saigon hat sich durch die Duldung solcher Verhöre durch die regulären Streitkräfte mitschuldig gemacht.

Berlin WERNER SCHINKEL

Unteroffizier Ngoc weist den Weg zu einer eleganten Lösung des Vietnam -Problems. Statt Waffen sollten ihm die USA Hutnadeln und Schaschlik-Spieße liefern, damit er seine Nagelprobe auf breiter Basis anwenden kann. Bei geschickter Befragung würde sich zeigen, daß alle Vietnamesen, er selbst nicht ausgeschlossen, Vietcongs sind. Anschließend könnten die Amerikaner entweder abziehen oder einfach alle umlegen.

Uttenreuth (Bayern) J. HORSTMANN

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