FEINDBILD
(Nr. 15/1971, Titel über »Hauptmann 71")
Die vielen Krisen in der Bundeswehr zeigen ganz deutlich an, daß sie die größte Fehlinvestition der BRD materiell wie politisch ist.
Hannover DETLEF DREKMEIER
Warum denn Diskussion mit restaurationswütigen Hauptmännern? Bei dem anhaltenden Geburtenschwund mit der dadurch bedingten Reduzierung körperlicher und geistiger Tüchtigkeit westdeutschen Nachwuchses wird es abgesehen vom Geld in absehbarer Zeit gar nicht mehr möglich sein, Adenauers grande armee aufrecht zu erhalten. Es sei denn, man engagiere zum Militärspielen türkische und griechische Gastsoldaten!
Worms DR. MED. ARMKNECHT
Die Verwirklichung des Ausspruchs des Herrn v. Studnitz, daß »die besten Waffen nicht Tradition ersetzen« können, würde dem deutschen Volk eine Menge Geld ersparen. Tradition ist bei uns doch, Kriege zu verlieren, und das wird uns auch beim dritten Male gelingen, am sichersten ohne Waffen.
Klein Berkel (Nieders.) HANS FISCHER
Hauptmänner-Clique, Rebellen ohne Risiko, Möchtegern-Junta.
Karlsruhe HELMUT DÖRE
Daß nur 10 % der Hauptleute solche Hauptmänner sind (nach 17 Jahren Rüstung von rechts), ist doch ein gutes Ergebnis der von den Wehrpflichtigen geübten Inneren Führung. Diese müssen weiter aufpassen, daß nicht allzu viele Leutnants 70 bis zum Hauptmann 71 »verkarsten«. Das ist die Aufgabe ihres Kampfes gegen die Umweltverschmutzung, den sie leider ohne Minister führen müssen. Wunstorf (Nieders.)
ALBRECHT WALSEMANN Pastor
Da wird von diesen jungen Leuten das Wort vom »Kampfauftrag« so daher geschwätzt. Wer denkt da nicht an Vietnam und kriegt das kalte Grausen?
Wiesbaden KARL LINNMANN
Nette Aussichten! Wann ist der nächste Kapp-Putsch fällig?
Hamburg OSKAR HOFFMEISTER
1969 -- das Jahr der Generale. Nachdem wir dann den »Leutnant 70« und nun den »Hauptmann 71« hatten, wäre es im kommenden Jahr an der Zeit, den »Unteroffizier 72« zu hören.
Aich (Bad.-Württ.) RAYMOND WILBOIS
Ein solch verantwortungsloses Fachidioten-Killer-Denken, verbunden mit einer anti-parteilich-soldatischen Hauruck-Romantik« gibt Einblicke in das seicht-trübe Demokratieverständnis einiger Herren Hauptleute.
Hamburg FALE ERNSTSON
Lt. d. Res.
Für uns Deutsche ist es sehr beschämend, was man aus den deutschen Soldaten gemacht hat und noch machen wird. Durch das Tragen der langen Haare und Bärte wird der Soldat in der ganzen Welt als lächerlich hingestellt. Wenn man nun schon das Haarnetz zur Uniform ausgibt, dann sollte man auch nicht die Lockenwickler und die Trockenhauben vergessen, um das Bild des deutschen Soldaten als Witzfigur zu vervollständigen.
Duisburg HEINZ REHLÄNDER
Man hatte beinahe schon erkannt, daß nicht jeder Langmähnige oder Bartträger ein Gammler, ein Linker oder ein Schlamper ist. Da erheben dreißig Hauptleute warnend den Zeigefinger. Achtung: Unter jeder langen Mähne, hinter jedem Bart verbirgt sich eine verwerfliche Weltanschauung. Genau wie nicht jeder Kurzhaarige und Bartlose ein Spinner ist. Eine Gegenschelte aber wie »kurzhaarige Affen«, »bartloser Angeber« können sich die stärker behaarten« meist friedfertigen Bürger hierzulande gar nicht erlauben. Bis zum Hauptmann darf man auf ungewöhnliche Weise Kritik üben, um darauf hinzuweisen, daß Kritik bei den niedrigeren Rangklassen In der Bundeswehr schnellstens auszuschalten ist. So der Tenor einer neuerlichen Diskussion um die Innere Führung. ausgelöst durch die »harten Kämpfer« von Unna.
Freilassing (Bayern) MANFRED GARBE
Mich würde es nicht verwundern, wenn nach dem Haarnetzbefehl in nächster Zeit auch Haschpausen befohlen werden. Popularitätshascherei um jeden Preis.
Burgberg (Bad.-Württ.)
WALTER JUNGINGER Oberfeldwebel
Habe soeben das Interview der Herren Offiziere -- hier gleich »Hauptmänner« -- gelesen. Im Fernsehen gab es mal eine Sendung »Gut gefragt ist halb gewonnen«. Diese Partie brachten Ihre Interviewer nach Hause! Was mir bei der ganzen so sinnlosen Geschichte auffiel, ist folgendes:
Die Herren Hauptleute haben einen Beruf ohne Zukunft gewählt, nun möchten sie diesem gern wieder Zukunft verleihen. Sie argumentieren ziemlich dünn. Ich hätte ihnen mehr Verstand zugetraut. Sie drücken doch dem Soldaten wieder einen Stempel auf: »Ein Soldat ist kein Mensch.« Er darf nicht denken, er muß gehorchen, er darf seine Meinung nicht äußern, nicht mal seine politische.
Soest (Nrdrh.-Westf.) MARIKA SCHMITZ
Was muß das für ein erlauchter Haufen sein, der sich anmaßt, unsere »freiheitliche Gesellschaftsordnung« zu verteidigen, und im gleichen Atemzug sich mit Händen und Füßen gegen eine »Demokratisierung der Armee« wehrt.
Müden (Nieders.)
HANS-DIETRICH SPRINGHORN
Die Äußerungen der vier Kameraden, im Zusammenhang mit den ungerechten Besitzverhältnissen in der BRD gesehen, können nur als kaum zu überbietender Zynismus empfunden werden. Verteidigungsauftrag für den »Arbeiter«-Soldaten! Wollen die vier von der Tankstelle den Jungbürgern einreden, geistiges Gut zu schützen sei nur mit Waffengewalt möglich? Bei diesem sogenannten Verteidigungsauftrag kann es sich doch nur um den Schutz materieller Güter handeln. Wer aber schützt schon gern freiwillig fremdes Gut?
München PETER HUCKAUP
Da haben wir es wieder einmal: Die Politik ist ein »schmutziges Geschäft«. Und was ist der Wehrdienst, der von den vier Interviewpartnern in seiner Zielsetzung unzweideutig als Kriegsdienst apostrophiert wird? Vietnam existiert nicht, jedenfalls nicht in den Köpfen der Forschen aus Unna. ihre Naivität und ihre Träume vom »soldatischen Zueinanderstehen«, für das schon (wieder) die schulpflichtige Jugend begeister werden soll, sind erschreckend.
Bochum NORBERT BÖVINGLOH
Verteidigungsbereitschaft kann die positive Kehrseite von Aggressivität sein, d. h. sie kann durch eine demokratische Führung und durch sich ihrer Freiheit bewußte Soldaten auf ihre Funktion (die Erhaltung des Friedens) beschränkt werden.
Heidelberg GEORG LIND
Sollte die Meinung dieser Offiziere tatsächlich für die Einstellung vieler anderer führender Leute in der Bundeswehr repräsentativ sein, so bleibt nur noch zu sagen: »Arme Bundeswehr!« Der Personalmangel in der Bundeswehr resultiert wohl nicht auch zuletzt aus der Existenz solcher reaktionärer Führungskräfte, die die Vorurteile zahlreicher Bundesbürger gegenüber Ihrer Armee nur bestärken. Waltrop (Nrdrh.-Westf.) PETER REGALI
Ich kann mich genau entsinnen, daß bis 1945 all* Hitlerjugend-Führer großmäulige Abiturienten waren, denen der »Führer« und der »Dienst« alles war. Den gleichen Eindruck habe ich heute von diesen Leuten.
Hamburg WALTER GEST IRLING
Gebt dem Hauptmann 71, als gute Demokraten, Raum für Standesdenken und Imagepflege; habt Verständnis für sein kleinkariertes Weltbild, laßt ihm Sendungsbewußtsein und die blanken Sterne, gebt ihm endlich die von ihm gewünschte »Marschrichtung von oben«, aber gebt ihm »um Schnezens willen« keine Kompanie, mit der er in diese Richtung marschieren kann, und beginnt endlich mit der »Reform an Haupt(-leuten) und Gliedern«!
Hamburg PETER-JÖRG MECHING
Man fragt sich lediglich, weshalb General Schnez die Hauptleute 71 tadelt. Vielleicht handelt es sich um Selbstkritik, oder kennt er seine eigene Studie nicht mehr? Vergeßlichkeit Ist jedenfalls keine Auszeichnung.
Hamburg JOACHIM-HERMANN ZIESEMER
Ist es denn so überraschend, wenn der Soldat fragt, warum eine Armee von 500 000 Mann und die Präsenz von 12 Divisionen, wenn selbst den Hauptleuten keine Antwort einfällt und sie hilfesuchend nach Bonn schauen? Radolfzell (Bad.-Württ.)
JÜRGEN ENGELHARDT
Daß die 30 Hauptleute der 7. Pz.-Gren.-Division mit ihrer Studie keineswegs einen unerträglichen Zustand, sondern nur ihre eigenen abstrakten Argumente in Frage gestellt haben, dürfte jedem Steuerzahler Anlaß zu der konkreten Fragestellung geben: »Werden Milliarden und aber Milliarden für solche abstrusen Leutnants-, Hauptmanns- und Generalsspielchen mit harter Arbeit verdient?« Sollte die Antwort des Herrn Bundesministers der Verteidigung nicht doch sehr eindeutig ausfallen? Dienen heißt denken -- und nicht jammern.
Siegen (Nrdrh.-Westf.) HANS BASEKOW
Ganz gleich, wie man zu der Schrift der »Leutnants 70« und neuerdings zu der der »30 Hauptleute« steht, so muß man doch feststellen: Ein Glück, daß neben (wenig) selbständig denkenden Einzelkämpfern auch noch selbständig kämpfende Einzeldenker existieren.
Aachen HANSJÖRG TIMPTE
Im SPIEGEL-Interview wurde es dokumentiert: Die Thesen der Hauptleute bedeuten, wie die Beispiele der Tiefschläge gegen das Wirken der Gewerkschaft ÖTV in den Kasernen und die Attacken gegen die bundesdeutsche Entspannungspolitik zeigen, sowohl einen Rückfall in die Mentalitäten des Kalten Krieges als auch einen Versuch zur Demontage van Rechten der Soldaten, besonders der Wehrpflichtigen.
Bochum GERHARD POHL
Das Dilemma der Bundeswehr rührt doch zweifellos daher, daß alle bisherigen Bundesregierungen von Adenauer bis Brandt zwar eine Bundeswehr, aber beileibe keine Soldaten haben wollten!
Bad Homburg (Hessen)
WILHELM RADDATZ Oberstleutnant a. D.
Aus manchem, was die Hauptleute sagen, scheint mir hervorzugehen, daß die Soldaten der Bundeswehr ein »Feindbild« für erforderlich halten, um sich selber und der Umwelt die Notwendigkeit der Existenz eigener Streitkräfte glaubhaft zu machen. Man findet diese Auffassung übrigens auch In vielen zivilen Kreisen und eigenartigerweise gerade in solchen, die nicht gewohnt sind, in politischen Dingen ernsthaft nachzudenken. Ich bin der Ansicht, daß hier ein grundlegendes Mißverständnis über die politische Notwendigkeit der Existenz der Bundeswehr vorliegt. Ich war dabei, als der damalige Bundeskanzler Adenauer sich dazu entschloß, der Forderung der Westmächte nach Aufstellung, deutscher Streitkräfte als Gegenleistung für die Rückgabe politischer Selbständigkeit -- und damit eigener politischer Handlungsfähigkeit -- nachzukommen. Erst mit der Zusicherung, sich mit eigenen Streitkräften an der westlichen Verteidigungsallianz zu beteiligen, wurde die Bundesrepublik bündnisfähig! In der Tat, ein Staat, der über keine eigenen Streitkräfte verfügt, ist nicht bündnisfähig. Selbst jeder neutrale Staat, der keine potentiellen Gegner hat, sorgt für eigene Streitkräfte, um seine Neutralität selbst schützen zu können. Wenn sich damals in den fünfziger Jahren das westliche Verteidigungsbündnis gegen Sowjetrußland als potentiellem Gegner ausrichtete, so ist das eine sekundäre Frage, die der damaligen politischen Lage entsprach. Sollte der Osten eines Tages als potentieller Gegner verschwinden und das westliche Verteidigungsbündnis überflüssig werden, so bleibt trotzdem für uns die politische Notwendigkeit zur Aufrechterhaltung eigener Streitkräfte bestehen -- vielleicht gerade dann, wenn sich die Blockbündnisse auflösen. Die Bundeswehr bedarf keines »Feindbildes« und keines potentiellen Gegners zur Selbstbestätigung. Sie wurde geschaffen als Ausdruck politischer Souveränität, und sie wird bleiben, solange wir als politisch unabhängig, souverän und bündnisfähig gelten wollen.
Rottach-Egern (Bayern)
GERHARD GRAF VON SCHWERIN General der Panzertruppe a. D. Erster militärischer Berater des Bundeskanzlers Konrad Adenauer
Der Vorgang macht dreierlei deutlich: 1. Nach 14 Jahren einseitiger und vereinfachender Ausrichtung hat der politische Bildungsstand des Führungspersonals der Streitkräfte einen Tiefstand erreicht, welcher im Verein mit unzureichender fachlicher Qualifikation ihre Funktion, Sicherheit zu produzieren, ernstlich gefährdet. Die Bildungskonzeption Ellweins kommt um Jahre zu spät.
2. Die Vorstellungen vom Soldaten, wie sie heute noch in weiten Bereichen der Gesamtgesellschaft bestehen, sind so überholt wie die Vorstellungen der Hauptleute vom wünschenswerten Zustand dieser Gesellschaft. Hier hat die Gesamtgesellschaft einiges nachzuholen.
3. Da nicht nur die Mehrzahl der Hauptleute sich mit ihren 30 Kameraden solidarisiert, sondern da das auch für die Mehrzahl der Unteroffiziere, Leutnants (die Leutnante 70 bestätigen als Ausnahme die Regel) und Stabsoffiziere gilt, ist es wirklich fünf Minuten vor zwölf. Wenn es dieser Minister auch nicht schafft, dann rettet niemand mehr die Bundeswehr, dann gibt es aber auch keinen ausreichenden deutschen Sicherheitsbeitrag, mit allen Konsequenzen.
München ALFRED MANNKE
Oberstleutnant
Sie stellen fest, daß sich 114 Hauptleute und Generalstabsanwärter der FüAkBw in Hamburg als erste Subskribenten den Kompaniechefs der 7. PzGrenDiv. angeschlossen hätten. Ich darf Sie hiermit richtigstellen und Ihnen mitteilen, daß es diesmal die Hauptleute beziehungsweise Teile von Angehörigen der Stabsakademie der Bundeswehr waren, die zwar auch in Hamburg stationiert sind, jedoch nichts mit der FüAkBw in Blankenese zu tun haben.
Ulm (Bad.-Württ.) HERBERT KÜTT
Oberstleutnant 1. G,
In dem Sinne. wie ihn die Hauptleute gerne hätten, hat die Bundeswehr im Augenblick überhaupt keinen Feind, und deshalb können sie auf diesbezügliche Fragen von seiten der Soldaten auch keine überzeugenden Antworten geben.
Schwanewede (Nieders.)
MAX SCHWIENHORST Gefreiter
Alle bekannten Sorgen um die Bundeswehr sind gemessen an dem Grundproblem eines militärisch sinnvollen Auftrages zweitrangig.
Freiburg (Bad.-Württ.) HEINZ BRILL
Hauptmann d. lt.
Das Interview mit den vier Hauptleuten der Bundeswehr ist für mich ein Grund mehr sollte der Staat zwecks Wehrübungen an mich herantreten -, den Wehrdienst zu verweigern.
Braunfels (Hessen) REINER SEULING
Kann die Ansicht schlechter Kampfmoral innerhalb der Bundeswehr nur teilen. Bin Wehrdienstverweigerer. Sollte nach Meinung von Bundeswehrangehörigen schon oft erhängt werden. Bisher nur theoretisch erfolgt. Wünsche weiterhin erfolgloses Bemühen.
Freudenberg (Nrdrh.-Westf.)
HEINZ RUDOLF BONN
Den Vorwurf, überstürzt gehandelt zu haben, kann man den Hauptleuten nicht ersparen; vielleicht wäre er noch zu verzeihen, wenn nicht einige dieser »ehrenwerten Herren« nun doch Angst vor der eigenen Courage bekämen und angeblich nichts von den politischen Passagen ihres Papiers gewußt haben wollen.
Lörrach (Bad.-Württ.)
HANS-CHRISTOPH MAURER Obergefreiter
Die Hauptleute von Unna sollten sich bewußt werden, daß sie den eigenen Forderungen vom politisch nicht engagierten Soldaten nicht gerecht werden, wenn sie Thesen verbreiten, an denen Adolf seine helle Freude gehabt hätte.
Marburg HERMANN SCHMIDT
Unteroffizier
Ich bin der Ansicht, daß dies »Wortgefecht« zugunsten der Hauptleute verlief und »Verluste« auf der »Reporter-Seite« eintraten.
Lüneburg (Nieders.) WERNER GUMMELT
Hauptmann
1:0 für die Hauptleute.
Bonn WILHELM LEHBRINK
Bedauern kann ich nur Ihre Mitarbeiter, die ihre Zeit dahingehend verbringen müssen, sich mit solchen geistig doch sehr leeren Zeitgenossen an einen Tisch zu setzen, um mit ihnen ein Thema zu behandeln, von dem diese »sogenannten Hauptleute« nicht einmal den blassesten Schimmer einer Ahnung, jedenfalls was menschliche Handlungsweisen und ihre Gegenwirkung einfachster Erscheinung betrifft, haben.
Hamburg NORBERT HOREIS
Gefreiter der Reserve
Es ist hier von mehr Werbung für die Bundeswehr die Rede. In der gleichen Ausgabe bringen Sie eine Werbe-Anzeige des Bundeswehramtes. Dort ist von Radarspezialisten die Rede. Tatsache ist aber doch, daß gerade diese Stellen in der Regel besetzt sind und, wenn nicht, leicht besetzt werden können. Das große Minus herrscht jedoch bei den Kampftruppen. Scheut das Bundeswehramt, entsprechende Anzeigen zu bringen, weil hier nicht so gute Chancen für berufliche Ausbildung vorhanden sind?
Achum (Nieders.) W. HENZE
Feldwebel
»Zum Kampf muß erzogen werden«, welch inhaltsschwere Forderung. Sontra (Hessen) ERNST-LUDWIG METZE
Panzerschütze
Meine Dienstzeit endet mit dem 31. März 1975, und mir bleibt nur zu hoffen, daß die Herren Hauptmänner bis dahin nicht wieder angefangen haben »zu siegen«.
Ellenberg (Schlesw.-Holst.)
GÜNTER MARTIENSSEN Bootsmann
Eines der Zentralprobleme der »30« ist das des Staatsbürgers in Uniform. In Anbetracht dessen, daß Staat und Gesellschaft bis heute nicht in der Lage waren, den Staatsbürger in Zivil an den Bund zu »liefern«, sollte der Staatsbürger in Uniform nicht überbetont werden. Dadurch zwingt man die Bundeswehr in die Rolle der »Schule der Nation«, die von vielen Offizieren abgelehnt wird.
Hannover KARSTEN KNOLLE Leutnant d. Res. und Journalist
Jetzt haben die Hauptleute, wie vom Verteidigungsminister persönlich immer wieder angeregt, diskutiert, und nun will man ihr unbequemes Ergebnis nicht hören! Das ist nicht konsequent.
Darmstadt ECKHARD MEYER-DETRING
Hauptmann
Den Hauptleuten, die 1945 zwischen 5 und 9 Jahre alt waren, »Weltbilder der Reichswehr und der Wehrmacht« vorzuwerfen (SPIEGEL Nr. 15/1971) Seite 29), ist absurd. Es dürfte den Militärexperten des SPIEGEL sicherlich nicht unbekannt sein, daß es eine Vielzahl von soldatischen Eigenschaften und Tugenden gibt, die nicht systemimmanent sind.
Köln WILHELM LANGER
Hauptmann
Ich glaube, die Hauptleute möchten sich die Rosinen aus dem Kuchen picken. Gegenüber Vorgesetzten »Reform-Leutnante 70«, gegenüber Untergebenen »Schnez 69/70«, d. h.: Sie möchten nicht mehr weiter nach oben buckeln, aber weiter nach unten In verstärktem Maße treten. Dies ist allerdings erst ein halber Fortschritt.
Koblenz HANS JÜRGEN ZAHREN Lt. der Reserve
Die dreißig Hauptleute kritisieren u. a. auch die zunehmende »Politisierung der Bundeswehr«. Jeder aktive und auch Reservesoldat verspürt diesen unglücklichen Trend. Als wichtiges Indiz dafür sei auf eine Äußerung des SPD-Verteidigungsministers im SPD-Pressedienst hingewiesen: »Allein schon wegen der historischen Aufgabe, einmal der preußisch-deutschen Verfassungsgeschichte zu zeigen, daß eine deutsche Armee ihren gesellschaftlichen und ihren militärischen Wert verbessert, indem sie sozialdemokratische Befehle befolgt -, allein schon deswegen muß die Regierung Brandt-Scheel auch die letzten drei Jahre erfolgreich regieren.«
Ich für meinen Teil habe allerdings andere Wünsche!
Aachen AXEL NAWROCKI
Olt. d. Reserve
Ich kann den Hauptleuten aus eigener Erfahrung nur in jeder Hinsicht zustimmen! Wenn Schmidt behauptet, daß sich die Hauptleute an »Idealvorstellungen orientiert und die gegebenen Verhältnisse außer acht gelassen hätten«, so läßt dieser Ausfluß den Verdacht auf Gehirnamputation auf seiten des Ministers zu!
Hannover GERD H. WEUSMANN
Olt. d. Reserve
Dank, Dank, und Dank!
Dank dem Grafen Baudissin für sein Kuckucksei der Inneren Führung. -- Mindestens seit Preußens Befreiungskriegen wird in deutschen Armeen Innere Führung praktiziert. -- Baudissin theoretisierte sie, gab Ihr den Namen und führte sie neu ein. Das konnte er nur in einer Armee ohne Tradition wie der Bundeswehr. Ein Kunstnest für ein Kuckucksei -- wahrhaft gräfliches Modellieren! Dank allen Reportern des SPIEGEL für ihre Mühe, das umstürzlerische Komplott der Hauptleute zu offenbaren, in ehrlichem Dienst für unseren demokratischen Staat.
Dissen (Nieders.) ERNST-ULICH PFEIFER Lt. d. Reserve
Die Redaktion des SPIEGEL behält sich vor, Leserbriefe gekürzt zu veröffentlichen