FERNSEH-PROGRAMM - DER SPIEGEL
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Briefe

FERNSEH-PROGRAMM
• aus DER SPIEGEL 11/1953
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

FERNSEH-PROGRAMM

(Nr. 7/53)

Die Betrachtungen über das Fernsehen in Heft 7 des SPIEGEL auf Seite 32 dürfen nicht unwidersprochen bleiben. Ein neugeborenes Kind muß pfleglich behandelt werden, und man darf nicht nur seine negativen Seiten sehen. Vor allem aber müssen alle an der Entwicklung des Fernsehens interessierten geistigen Menschen mit konstruktiven Vorschlägen die Entwicklung des Fernsehens fördern.

Einseitige negative Kritik jedoch schreckt sie von der verantwortungsbewußten Mitarbeit am Fernsehen ab: Sie warnt gleichsam die Bevölkerung davor, sich ein Fernsehgerät zu kaufen, und beeinträchtigt somit praktisch die Mittel, die der Fernsehfunk braucht, um seine Programme zu verbessern.

Denn der wichtigste Punkt ist auch beim Fernsehprogramm das Geld. Wenn es erst eine Million Fernseher gibt, sind monatlich mehrere Millionen für ein aktuelles und lebendiges Programm verfügbar. Heute stehen nach meiner Schätzung vielleicht etwas über hunderttausend Mark monatlich zur Verfügung. Es ist keine Frage, daß diese Differenz sich zwangsläufig auf die Programmgestaltung auswirken muß.

Es erschiene mir richtig, daß der SPIEGEL demnächst einmal einen aufklärenden Artikel über die Probleme des Fernsehens bringt, damit die Seher erkennen, wo die Probleme liegen und wie sie gelöst werden können. Und dabei bitte die Kapitalfrage nicht vernachlässigen...

Im übrigen wird es so lange keine einheitliche Meinung über die Güte des Fernsehprogramms geben, solange es nur ein Fernsehprogramm gibt. Die Boogie-Woogie-Veranstaltung und die Karnevalsveranstaltung, die der Herr Bundestagspräsident kritisiert hat, haben zweifellos der überwältigenden Mehrheit der eigentlichen Fernseher gefallen ... Aber das Fernsehen soll und muß alle Ausschnitte des Lebens des Volkes einfangen, und wenn Millionen Rheinländer Karnevalsveranstaltungen besuchen und hunderttausend Hamburger in Boogie-Woogie-Veranstaltungen gehen und teures Geld dafür bezahlen, dann darf der Fernsehintendant an diesen Veranstaltungen nicht vorbeigehen, auch wenn der geistige Sektor der Fernseher diese Veranstaltungen verabscheut. Auch die Tageszeitung kann nicht allein auf die intellektuellen Leser Rücksicht nehmen, sondern muß vieles bieten, was nur die breitere Masse interessiert!

Hamburg

Dr. Hans Sikorski

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