BÜCHER Fett und häßlich
Georg Bleistein, die Hauptfigur in Ludwig Fels' neuem Roman, ist ein »proletarisches Wohlstandsopfer«. So jedenfalls steht es auf dem Klappentext, und der Autor hat denn auch mit Unglück und Elend nicht gegeizt. Der Vater abgehaun, die Mutter Trinkerin und Prostituierte, vegetiert Bleistein, der Unglücksrabe, bei der zänkischen Großmutter und der vorwurfsvoll fürsorglichen Tante dumpf dahin. Auch Alkohol und Pornohefte helfen ihm nicht über seinen Mißerfolg bei Frauen hinweg, fett und häßlich, wie Fels ihn nun mal geschaffen hat. Als Küchenhelfer S.243 in einem Supermarkt-Restaurant ist Bleistein Schmutz, Gestank und den Schikanen von Vorgesetzten ausgeliefert; und wenn er in der Freiheit nicht gerade im Lotto oder am Spielautomaten verliert, dann hat er draußen mit schlechtem Wetter zu kämpfen. Für schlechtes Wetter, für Pech im Spiel und Pech in der Liebe kann die Wohlstandsgesellschaft aber doch wirklich nichts.