AUSTRALIEN Feuerteufel isolieren Sydney
Brandstiftung gilt als Hauptursache der verheerenden Buschbrände, die bis vorigen Donnerstag die Vier-Millionen-Stadt Sydney isoliert und rund 150 Wohnhäuser zerstört haben. Lediglich einer der etwa hundert Brände, die vor allem in den etwa 60 Kilometer vom Zentrum entfernten, noch mit Urwäldern bestandenen Blue Mountains und in Sydneys südlichen und westlichen Außenbezirken wüteten, wurde von Experten auf eine natürliche Ursache zurückgeführt: Blitzschlag. Ursprung vieler anderer waren offenbar Pyromanen, deren Zündelei bei heftigen Winden und Temperaturen um 35 Grad zu kilometerweitem Funkenflug führte und eine insgesamt 700 Kilometer lange Feuerfront eröffnete.
Dem australischen Bundesforschungsinstitut Csiro zufolge begünstigt leicht entzündbare Rinde von Eukalyptusbäumen den Funkenflug; die Glut, die sich über Dutzende Kilometer aussäen kann, erzeugt so genannte Spot Fires. Die Forscher haben dieses Verhalten seit 1997 im Windkanal simuliert, nachdem bei der letzten großen Brandkatastrophe im Januar 1994 Funken den Fluss Woronora übersprungen und allein in Sydneys Vororten Jannali und Como 87 Wohnhäuser zerstört hatten. Insgesamt waren 185 Anwesen zerstört worden und vier Menschen ums Leben gekommen, Versicherungsschäden in Höhe von 56 Millionen australischen Dollar entstanden. Auch damals vermutete man hauptsächlich Brandstifter am Werk.
Diesmal wurden bis Donnerstag etwa 4000 Menschen evakuiert und Schäden von über 50 Millionen australischen Dollar gemeldet. Während Phil Koperberg, Chef von 5000 Einsatzkräften, beim Anblick der bis zu 50 Meter hohen Feuerwalzen entsetzt sagte, er habe »so etwas noch nie gesehen«, reagierten die Bewohner der Kernbezirke gewohnt lässig, obwohl schon Rauchwolken über die Sydney-Oper in der Innenstadt zogen: »Es ist halt Buschfeuer-Saison.«
Die Behörden kämpfen an mehreren Fronten: beim Brandeinsatz, bei der Suche nach den Frevlern sowie bei der Schadensregulierung. Eine schnelle Eingreiftruppe wurde gebildet, die Jagd auf Pyromanen macht. Premier John Howard stellte zudem eine Million Dollar als Soforthilfe zur Verfügung. In 20 »Desasterzonen« teilte die Regierung des Bundesstaates New South Wales die Unglücksregion ein - und es war immer noch kein Regen in Sicht.