Finale furioso - DER SPIEGEL
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PUBLIC RELATIONS Finale furioso

Zum dritten Mal scheitert Josef von Ferenczy bei dem Versuch, Partner für sein Mediengeschäft zu finden. Diesmal droht ihm die Pleite.
• aus DER SPIEGEL 35/2001
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Münchner Flughafen ist als Kulisse für eine Götterdämmerung nicht gerade ideal. Mittwoch vergangener Woche prallten dort die sonst eher leisen Medienmanager Josef von Ferenczy, 82, und Jürgen Ströbel, 58, aufeinander. Zum letzten Mal. Sehr schnell. Sehr laut.

Was wenige Monate zuvor noch als glamouröse Vernunftehe zweier branchenbekannter Unternehmer geplant war, endete in wüsten Vorwürfen, wer nun wen betrogen hatte vor der Hochzeitsnacht. Das Gipfelgespräch war auf zwei Stunden angesetzt, endete aber nach 75 Minuten derart donnernd, dass Ströbel danach Wert auf die Feststellung legte, er selbst sei durchaus ruhig geblieben.

Seither tobt das Geschrei erst recht, denn statt gemessenen Schrittes gen Rente flanieren zu können, muss Ferenczy nun zum Konkursrichter wanken. Ströbel habe »den Kurs einer feindlichen Übernahme« eingeschlagen und ihn »bewusst in eine finanzielle Schieflage« getrieben.

Verträge seien gebrochen, Vertrauen missbraucht worden. Vor allem habe es an Geld gefehlt, das Ferenczy längst vorgestreckt haben will. Seine Münchner Holding habe dank Ströbels Unfähigkeit in den vergangenen zwölf Monaten nur »ein Auftragsvolumen von lächerlichen 240 000 Mark« erwirtschaftet.

Wer Ferenczys byzantinischen Lebensstil kennt, ahnt, dass der damit gerade mal Koch und Butler finanzieren könnte.

»Materiell, gesundheitlich und was meinen einmalig guten Ruf betrifft«, sieht Ferenczy nun sein »gesamtes Lebenswerk bedroht«, das allerdings schon seit geraumer Zeit vor allem aus verblassenden Erinnerungsfotos besteht: Ferenczy mit Arafat, Kohl, Gorbatschow. Das sind so die Bilder, mit denen er sich in seiner säulenbewehrten Villa in Grünwald gern umgibt.

Ferenczy, der Traumfabrikant. Der Erfinder »atmosphärischer PR«. Der Verknüpfungskünstler im Nebel zwischen Wirtschaft und Politik, Show und Medien, der sein Menjoubärtchen mit der gleichen Nonchalance trägt wie die »28 Auszeichnungen von aus dä ganzä Wäält«, wie er in seinem sorgsam kultivierten Puszta-Dialekt nun trotzig bemerkt.

Im Mai vergangenen Jahres hatte der Medienmacher nach Berlin geladen, um seine Memoiren »Dialog - Mein Weg zu Menschen« zu präsentieren. Das Buch wurde nicht gerade ein Bestseller, aber das Fest soll wieder sehr schön gewesen sein.

Seit auch der zweite seiner beiden Söhne tragisch verstorben war, musste der Ehren-Brigadegeneral der ungarischen Armee einen Nachfolger/Erben/Kompagnon suchen für sein Imperiumchen, das schon immer mehr Glamour als Gewinn produzierte.

Der erste Kandidat war 1998 der Frankfurter PR-Krieger Moritz Hunzinger, dem es mittlerweile auch nicht mehr so gut geht - nicht nur, weil er im April wegen eines Insidergeschäfts zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Der zweite war der Münchner Unternehmer Erich Lejeune, Nebenerwerbsvisionär und nervtötender Talkshow-Stammgast.

Als dritter Mann kam schließlich Ströbel ins Spiel. Der gelernte Werbekaufmann ist seit 1989 selbständig und verkaufte vor eineinhalb Jahren seine Düsseldorfer Mediaagentur an die Londoner Firmenfamilie Tempus Group, die sich momentan selbst in einer wilden Übernahmeschlacht weit größeren Ausmaßes zwischen den Medienkonzernen Havas und WPP befindet. In London hat man also ganz andere Probleme als einen in Ehren ergrauten Münchner Salonlöwen, dessen Bilanzen ihn allenfalls als Papiertiger ausweisen.

Tempus wie auch Ströbels Best of Media Holding leben davon, Geld zu kanalisieren - von der Wirtschaft einerseits, in Anzeigenseiten und TV-Werbeinseln andererseits. Allein in diesem Jahr wollen seine 250 Mitarbeiter rund drei Milliarden Mark verteilen. Das Ziel: Mit möglichst wenig Geld der Kunden möglichst viel Aufmerksamkeit erzielen wie einst beim Börsengang der Deutschen Telekom.

Weil das klassische Reklamegeschäft langsam ausgereizt ist, wollte Ströbel mit Ferenczys Hilfe »neue Wege finden in der Grauzone zwischen Werbung und PR«. Nun kriegt er die Aufmerksamkeit in eigener Sache dank eines waidwunden Kontrahenten sogar gratis.

Hunzinger sei »als Fallschirmjäger gekommen und als komischer Vogel gegangen«, schimpft der Ungar. »Lejeune war ein Selbstdarsteller. Tödlich blamiert und getroffen aber haben mich Großmannssucht und Unfähigkeit Ströbels«, der wiederum diese Art von Dolchstoßlegende nicht stehen lassen will.

»Die Insolvenz war unvermeidlich«, sagt er kühl. »Ich betrachte die ganze Angelegenheit als Tragödie«, kurze Kunstpause, »für Herrn von Ferenczy persönlich. Wie er sich allerdings jetzt eine Geschichte zurechtzimmert, das hat auch mit ungarischer Operette nichts mehr zu tun.« Der letzte Rettungsversuch vorm Finale furioso sei »am Widerstand der Gläubiger« gescheitert.

Von Altschulden in zweistelliger Millionenhöhe ist die Rede. Darauf will Ströbel ebenso wenig eingehen wie auf die von Ferenczy »lancierte Absicht, uns zu Spitzbuben zu machen«. Jetzt sind seine Anwälte dran.

Juristischen Beistand hat sich auch Ferenczy gesichert. Er nennt nicht den Namen der Kanzlei, sondern sagt - ganz alte PR-Schule -, »der Waigel-Sohn« werde ihn vertreten. Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel gehört zum dankbaren Promi-Fundus des medialen Csárdás-Fürsten.

A bisserl Glanz muss sein. Auch bei Beerdigungen. THOMAS TUMA

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