Fisch erglüht - DER SPIEGEL
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Fisch erglüht

• aus DER SPIEGEL 19/2000
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Einerseits ist Peter Voß ein knallharter Medienmann. Einst Nachrichtenjournalist beim ZDF, wurde er Intendant des Südwestfunks (SWF) und fusionierte 1998 den SWF mit dem Süddeutschen Rundfunk (SDR) zum Südwestrundfunk (SWR). Ohne sentimentale Aufwallungen hat er Programme und Mitarbeiter wegrationalisiert und leitet nun den mit rund 4000 festen Mitarbeitern und einem Haushalt von fast zwei Milliarden Mark zweitgrößten Sender in der ARD.

Andererseits ist Voß in Lübeck großgeworden, mit Thomas Mann als »früher Pflichtlektüre«, und ließ sich schon mit 16 von den Lyrikern Benn, Celan und Brecht »beeindrucken«, wie er bekundet.

Also ist es nur logisch, dass Voß, 59, der auch in seinem Amt nach eigener Auskunft ein »leidenschaftlicher Leser und Schreiber« geblieben ist, nun seinen ersten Lyrikband vorlegt: »Zwischen den Kratern«, eine Sammlung von 137 Gedichten auf 160 Seiten, alphabetisch sortiert von »Auf der Halde« bis »Zwei im Garten«. Aus dem Jahr 1990 findet sich darin etwa die patriotische Miniatur »Exil II": »Übrigens möcht ich jetzt / Deutschland verlassen / nicht wegen einiger / hundert geschorener Spinner / auch nicht der anderen / wegen, die ,Peinlich / Vaterland' klagen / (leeres Gerede aus / besseren Kreisen) / Ich gehe, um endlich / von außen zu sehen / warum es sich lohnt / hier zu leben.«

Doch Voß blieb und dichtete fleißig weiter. Unter anderem einen Vierzeiler über »Goldfische": »Im Goldfischteich / badet der Mond. Die Fische / erglühen. Ob aus Neid / oder Furcht, verraten sie nicht.«

In den Funkhäusern in Stuttgart, Mainz und Baden-Baden suchen die Mitarbeiter voller Neid und Furcht nach versteckten Botschaften in den Gedichten. Eines heißt »Sitzfleisch« und endet mit den Worten: »In meinem Sessel saß ich, ließ die Zeit vergehen.«

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