Flachlegung - DER SPIEGEL
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Flachlegung

• aus DER SPIEGEL 29/2000
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Liste der bedrohten sexuellen Minderheiten wird in diesem Sommer um mindestens eine Art länger: um den »Playboy«-Leser. Der sieht sich umwälzenden Neuerungen seines Magazins ausgesetzt. Nicht, dass das Centerfold-Girl verschwände, jenes sechzig Zentimeter hohe perfekte Abbild naturgetreuer Aufblaspuppen, das ihm in die Augen sieht und alles verspricht, was manchen Männern Spaß macht. Es kommt schlimmer. Wie zu hören ist, soll nach dem Wechsel in der Chefredaktion nichts Geringeres als das verschwinden, was den »Playboy«-Leser bisher dazu bewog, das Hochglanzding in die anspruchsvolle Hand zu nehmen: das Niveau. Das journalistisch-publizistische, versteht sich. An die Stelle von Literaturwettbewerben für junge deutsche Autoren und Interviews mit russischen Schachweltmeistern sollen nun, so behaupten jedenfalls im Zorn verschiedene Redakteure, ferkelnahe »basics« treten, etwa »über die geilste Yacht, auf der man die teuersten Weiber flachlegen kann«. Damit aber steht die Leser-Blatt-Bindung auf dem Spiel. Womit bitte soll der Leser künftighin seiner Partnerin erklären, dass dieses Blatt aus höheren Gründen auf seinem Nacht- respektive Couchtisch liegt, wenn man ihm die hochkarätigen Satiren eines Werner Schneyder nimmt oder den Exklusiv-Abdruck der literarisch wertvollsten Passagen des neuen Romans von Stephen King? Heimlichkeit ist anstrengend und Taschenlampenlicht nicht gut für die Augen.

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