FLAGGENSTREIT.
Baden-Württembergs NPD-Landtagsabgeordnete wollen durch Flaggenschändung »eine unklare Rechtslage« (NPD-Landesvorsitzender Martin Mußgnug) klären helfen. Mitte Januar hatten die Nationaldemokreten im Stuttgarter Landtag beantragt, die Landesregierung solle »gewährleisten, daß im Lande Baden-Württemberg nicht die »DDR-Fahne gezeigt wird«. Von Innenminister Walter Krause darüber belehrt, daß »Bestimmungen über das Zeigen der Flagge der DDR ... nur einheitlich für das ganze Bundesgebiet getroffen werden« könnten, beschlossen Thaddens Mannen In Deutsch-Südwest, das Problem durch Provokation zu lösen. Als Vorbild dienten Ihnen jene drei Jugendlichen aus Schleswig-Holstein, die beim Stoph-Besuch In Kassel die DDR-Fahne zerrissen hatten. Erste Möglichkeit bot sich vorletzte Woche in Ulm, als während der Bühnentechnischen Tagung zwischen den Fahnen der beteiligten Staaten auch. die Flagge der DDR am Ulmer Theater wehte. Ulms NPD-Kreisvorsitzender Horst Glöckner Informierte seine Partei-Genossen Im Landtag, Martin Mußgnug, Rolf Kosiek und Karl Baßler. Gemeinsam mit dem Heidelberger NPD-Mitglied Ludwig Bock erstiegen sie die Terrasse des Ulmer Theaters, holten die »Spalterflagge« (Mußgnug) ein, brachten sie zur Ulmer Staatsanwaltschaft und erstatteten Anzeige. Weil jedoch »das Zeigen der DDR-Fahne keinen Straftatbestand« darstellt, will Ulms Leitender Oberstaatsanwalt Hans Heinz Grob »das Verfahren einstellen«. Ulme Oberbürgermeister Pfizer dagegen zeigte die NPD-Mannen wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung an. Mußgnug will dennoch »bei konkretem Anlaß weitermachen«.