FLEISSARBEIT - DER SPIEGEL
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Briefe

FLEISSARBEIT
• aus DER SPIEGEL 11/1962
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FLEISSARBEIT

Sie nennen mich in Ihrer Titelgeschichte über die Justizreform »einen der literarisch eifrigsten Justizkritiker« und berufen sich mehrfach auf mein Buch »Der Richter. Geschichte - Aktuelle Fragen - Reformprobleme«. Mir geht es jedoch in meinem Buch nicht um Kritik, sondern um Verständnis für Fragen der Justiz und der Justizreform. Ihre Meinung, die deutsche Justiz sei »füllig und faul« geworden, trifft nicht zu. In Wirklichkeit ist sie überlastet und wird in ihrer Bedeutung verkannt. Faul ist sie sicher nicht: Ein sehr großer Teil der westdeutschen Richter hat eine Arbeitswoche von 60 Stunden und mehr. Trotz aller Schwierigkeiten bewältigt unsere Justiz mehrere Millionen Verfahren in einem Jahr. Schnell erledigt werden nicht nur die Arbeitsgerichtsprozesse, sondern auch die meisten erstinstanzlichen Verfahren bei den Amts - und Landgerichten. Daß die übrigen Prozesse länger dauern, liegt nicht an den Richtern, sondern am Gesetzgeber. Leider hat dieser die seit 50 Jahren erhobenen Rufe nach einer Justizreform überhört.

München DR. ALBRECHT WAGNER

Oberlandesgerichtsrat

Der SPIEGEL, der über bessere Erfahrungen verfügen dürfte, billigt der deutschen Justiz ohne weiteres zu, sie sei »leidlich unabhängig«. Ist Ihnen etwa nicht bekannt, daß die Richterstellen von den Ministerien vergeben werden und daß ein Landgerichtsrat oft nur deshalb nicht Direktor wird, weil ihm das Parteibuch oder die Beziehung zum Minister fehlt? Niemand ist unabhängig von dem, der ihn befördert - oder nicht befördert.

Köln JEAN WEIS

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