Thema: »Hilfe, ich habe geerbt.« Kein Problem: Meine Kontonummer lautet . . . *VORSPANN:
20.15 - 21.44 Uhr ARD *ÜBERSCHRIFT:
Zaubergirl
Die Münchner Regisseurin Vivian Naefe ("Pizza-Express«, »Meine Tochter gehört mir") fürchtet die Distanz zu ihren Filmfiguren. Viel lieber macht sie sich zu deren Verbündeter, teilt mit der Kamera und vielen Anspielungen auf das große Kino die Lebensträume der meist jungen Protagonisten. Diese Empathie hat bei ihr manchmal den Preis des Sich-Verzettelns, der Abschweifung. Auch dieser Film nach einem Buch von Fred Breinersdorfer braucht Zeit, bis er aus Disco-Geflirre und Szenelärm zum Thema kommt: einer sehr modernen Variante der Professor-Unrat-Tragödie. Ein reifer Mann (Herbert Knaup) verfällt der jungen Schlampe Jenny (Sandra Speichert) und zerstört sein Leben. Naefes Lola ist nicht fesch, sondern frech - ein schlauer Engel. Mit einer Mischung aus Chaotentum und Berechnung entfremdet sie den Disco-Rausschmeißer Horst erst von seiner Tochter (Ulrike Panse), dann von seinem Geschäftspartner. Horst verliert den Job, wenig später seine materielle Existenz. Der Film hat seine stärksten Szenen, wenn er die Gefühlsverknäulung zwischen Horst und Jenny schildert. Hier trägt das große Einfühlungsvermögen der Regisseurin Früchte: Der Zuschauer verzweifelt mit den in verhängnisvoller Affäre Verketteten, sieht die Katastrophe kommen und weiß keine Lösung. Besonders Knaup in der Rolle des unglücklichen Gate Keeper zieht die Gefühle des Sehers auf sich.