Hausmitteilung Frankreich
Datum: 17. Januar 1983 Betr.: Frankreich
Frankreichs Kulturminister Jack Lang empfing die Redakteure Barbara von Jhering, Klaus-Peter Schmid und Dieter Wild zum SPIEGEL-Gespräch mit einem Croissant-Frühstück und einem »Kompliment für den SPIEGEL«.
Er bedankte sich für zwei SPIEGEL-Artikel von 1971 und 1973 (Autor: Fritz Rumler) über das »Weltfestival des Theaters« in Nancy, gegründet vom damals noch kaum bekannten Jack Lang. Jene frühe Anerkennung durch den SPIEGEL, so Lang jetzt, sei seinem von den Ortsgrößen angefeindeten Avantgarde-Festival ein wahrer »Schutzschild« gewesen.
Das SPIEGEL-Gespräch mit Mitterrands Kulturchef (Seite 148) fand in seinem Amtssitz im Pariser Palais Royal statt, wo der SPIEGEL 1968 mit Langs berühmt-pompösem Vorgänger Andre Malraux diskutiert hatte: über dessen gaullistische Kulturpolitik, über die Mai-Revolte der linken Studenten, über nationale »grandeur«.
Im Gespräch mit Lang geht es um die »grandeur de notre continent«, die von amerikanischem Kulturimperialismus bedroht sei. Lang wehrt sich gegen den Vorwurf, seine sozialistische Kulturpolitik laufe auf kulturellen Dirigismus hinaus, die Sozialisten wollten den Franzosen vorschreiben, was sie schön zu finden hätten. Zum Gegenbeweis enthüllt er die Vorliebe seines Präsidenten für »Dallas": Mitterrand finde »diese Serie gut gemacht«.
Das Lang-Gespräch paßt zum 20. Jahrestag des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages, der in dieser Woche aufwendig gefeiert wird: Am Donnerstag redet Präsident Mitterrand vor dem Bundestag. Das Jubiläum im SPIEGEL zu würdigen, fand sich ein Autor von besonderer Kompetenz: Über die »Versöhnung zwischen unseren beiden Völkern« schreibt in diesem Heft Francois Mitterrand (Seite 100).