Der Titel klingt nach lausigem Heimatschmarren, dabei hat Peter Roseggers Roman durchaus sozialkritische Qualitäten. Von Robert A. Stemmles Filmversion (Österreich 1955) läßt sich das nicht sagen - so unüberwindlich hoch wie die Gebirge der Alpen türmen sich die Heimatfilm-Klischees auf.
22.40 - 0.20 Uhr. 3Sat.
Der Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit
99 Minuten lang, über 3041 Filmmeter läßt der geistreiche Rätselonkel des deutschen Kinos, Alexander Kluge, Chronos gegen Kairos, die alles fressende, sinnlos-endlos dahintickende Vergänglichkeit gegen die Zeitmaße zersplitternde, sich aufblähende und überdehnende Gegenwart, antreten. Dieses »Requiem für Menschen, die ,nur' dieses eine Jahrhundert haben« (Pressebegleittext), ist ein Kluge-typischer Bilderbogen aus Dokumentaraufnahmen, Spielfilmszenen und jeder Menge genialischer Philosopheme ("Die Macht des Schicksals von gestern liegt darin, daß keiner der Beteiligten die Zeit hat, zu überlegen"), die Kluge entrückt aus dem Off wispert. Armin Mueller-Stahl ist ein blinder Regisseur, der seinen Film mit den Bildern in seinem Kopf macht, Rosel Zech eine am Arbeitsplatz ausgebootete Ärztin. Michael Rehberg und Peter Roggisch eilen als gehetzte Manager durch die Szene. Kluges Gedankenschnitzelwerk brachte das deutsche Feuilleton zum Tanzen: Die SZ schwärmte von der »fast aufregenden Wortwörtlichkeit« der Bilder des Regisseurs, die FAZ fühlte sich wohl in Kluges »verzwicktem ironischen Gedankenkabinett«, der taz war alles »hinreißend klar«, der Tagesspiegel dagegen entdeckte »Spiel um des Spieles willen« und der Vorwärts »bunte Bilder, viele Schnitte, wenig Sinn«.