Freunde in der Wüste - DER SPIEGEL
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NAHER OSTEN Freunde in der Wüste

Mit einer ungewöhnlichen Offensive der Herzlichkeit wirbt Washington um die Freundschaft der Araber. Grund: Reagan sucht Stützpunkte in Nahost.
• aus DER SPIEGEL 46/1981
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Die amerikanischen Zuhörer waren verblüfft. »Ich persönlich hoffe, daß das Awacs-Geschäft bei der Abstimmung durchfällt«, erklärte da Saudi-Prinz Abdallah Ibn Abd el-Asis, kurz bevor Amerikas Senatoren über den Verkauf der Lauschflugzeuge an den Ölstaat entschieden.

Begründung: Wenn der US-Senat die Lieferung der Frühwarnflugzeuge an Saudi-Arabien verweigere, dann würde der Einfluß der jüdischen Lobby auf die amerikanische Politik wieder für alle Welt sichtbar werden.

»Wir hören immer, daß die Sowjet-Union die größte Gefahr für den Nahen Osten darstellt«, meinte der Prinz, in Wahrheit aber sei »Amerikas Hilfe für Israel Arabiens größte Bedrohung«.

Auf der anderen Seite glauben sich die Israelis durch ihre Gegner in Riad ernster bedroht als durch die ferne Sowjet-Union. An dieser Lage tragen nach israelischer Auffassung die USA die Hauptschuld.

In der Tat umwirbt Reagans Regierung in den letzten Wochen die Araber in geradezu ungewöhnlicher Weise. Da setzte Reagan in einem politischen Kraftakt den Awacs-Verkauf doch noch durch, da zeigte der Präsident sogar Gesprächsbereitschaft mit der Palästinenserorganisation PLO, die für ihn vor kurzem noch »eine Mörderbande« war, da pries er plötzlich den Friedensplan des Saudi-Kronprinzen Fahd, in dem er noch im August keine neuen Gesichtspunkte entdecken konnte.

Damit verärgerte Reagan die Israelis zutiefst, die in den acht Punkten des Fahd-Plans nur arabische Unnachgiebigkeit festgeschrieben sehen. Verteidigungsminister Scharon tobte sogar: »Unsere Antwort auf die acht Punkte des Saudi-Plans sind acht neue israelische Siedlungen.«

Der israelische Zorn focht Ronald Reagan nicht an. Vergangene Woche empfing er betont herzlich Jordaniens König Hussein, der bei Vorgänger Jimmy Carter als Camp-David-Gegner ins Abseits geraten war.

Doch die Araber bewiesen auch, welch schwierige Partner sie sind. Allen voran verabreichte der umworbene Kronprinz Fahd Washington eine Ohrfeige: Sein Land beteiligt sich nicht am Manöver »Strahlender Stern«, dem amerikanisch-arabischen Kriegsspiel, bei dem die Reagan-Regierung in dieser Woche am Golf ihre Muskeln zeigen will:

5000 US-Soldaten der Schnellen Eingreiftruppe können nun nur in Ägypten, dem Sudan, in Somalia und im Emirat Oman landen und gemeinsam mit einheimischen Truppen üben, wie im Ernstfall Ölquellen und Zufahrtswege gesichert werden sollen.

In Amerika regte sich keinerlei Widerstand gegen den Einsatz von GIs in Wüsten am anderen Ende der Welt. Das sei eine »veränderte nationale Stimmung« nach dem Vietnamkrieg, meinte die »New York Times«.

Das Land ist praktisch wieder bei der Eisenhower-Doktrin, die 1957 den Präsidenten ermächtigt hatte, Streitkräfte einzusetzen, um jeder Nation zu helfen, die Unterstützung erbittet gegen bewaffnete Aggression »durch ein Land, das vom internationalen Kommunismus kontrolliert wird«.

Ronald Reagan will noch mehr. Er gelobte, daß die Vereinigten Staaten in Saudi-Arabien »keinen zweiten Iran zulassen« würden, das heißt, er will befreundeten S.159 Regionen auch gegen Umwälzungen von innen beistehen.

Zu diesem Zweck will Washington ein Netz von Stützpunkten aufbauen. Schon Reagans Übergangsmannschaft hatte in internen Papieren empfohlen, echte US-Basen oder ständige Nachschublager einzurichten. Der Awacs-Handel soll offenbar zu solchen Vereinbarungen mit Saudi-Arabien führen. Daß es schon Abkommen gibt, bestritt das Verteidigungsministerium.

»Wir müssen einen Ausgleich zwischen dem finden, was wir tun möchten, und der möglichen Konfusion, die das auslöst«, wand sich ein Pentagon-Sprecher. Das bedeutet: Angesichts der islamischen Renaissance und der antiwestlichen Strömungen will in der arabischen Welt niemand allzu offen mit den USA paktieren. Geheimdiplomatie ist das Gebot der Stunde.

Dieses Spiel aber, so lernt Reagan, geht nicht ohne die Palästinenser. Vergebens erinnern die Israelis und ihre Freunde in den USA an das Gelöbnis des Kandidaten Reagan, nie mit Jassir Arafat zu verhandeln.

Der Präsident hört zur Zeit lieber auf seine Freunde in der Wüste. Den Saudis, so erklärte er letzten Monat, könnte es gelingen, die PLO ins Spiel zu bringen. Gespräche zwischen der US-Regierung und der PLO seien vorstellbar.

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