Friede unseren Wäldern
Nr. 44/2001, Jagd: Aufstand gegen die Waidmänner
Ein kräftiges Waidmannsheil Ihrem Beitrag zur Jagd in deutschen Landen. Also mal ehrlich: Dieser Artikel ging voll daneben! Umweltzersiedelung und -zerstörung, Forstwirtschaft ohne Rücksicht auf Wildtierbedürfnisse, grenzenloser Freizeitdruck in auch entlegenste Einstandsgebiete sowie das Fehlen selbst grundlegendster Kenntnisse auch regionaler Biotopzusammenhänge begünstigen die Tendenz, den Jäger als schweißliebenden Bambikiller darzustellen.
KEMPTEN (BAYERN) DR. JÜRGEN FRITZENSCHAFT
Mit modernen Autos und Waffen geht's zum Jagen, aber mit einer Geisteshaltung, die an das Mittelalter erinnert, als es hier noch Bären, Wölfe und Luchse gab. Da wird dreist behauptet, sie, die Grünröcke, wären die wahren Naturschützer. Aber selbst die Hege schadet den Tieren mehr, als sie nützt, weil die natürlichen Auslesemechanismen außer Kraft gesetzt werden. Theodor Heuss, unser erster Bundespräsident, wusste, wovon er sprach, als er meinte: »Die Jägerei ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit.«
KEMPTEN (BAYERN) GERTRUD SCHRÖDER
Endlich wird auf das Treiben der Jäger aufmerksam gemacht! In meiner Tierarztpraxis erlebe ich immer wieder Tiere, die den Jägern zum Opfer gefallen sind. Eins von vielen Beispielen: Eine Katze kam mit einer Augenverletzung zu uns. Auf der Röntgenaufnahme konnte ein Geschoss nachgewiesen werden, welches im Augenhintergrund im Schädelknochen saß. Ein Jäger hatte sich einen Spaß oder eine Schießübung erlaubt und der Katze scharf ins Auge geschossen. Die Katze hatte Glück gehabt, das Geschoss durchbohrte das Gehirn nicht. Das Auge musste aber entnommen werden.
ESSELBACH (BAYERN) INA LAUTENSCHLÄGER
PRAKTISCHE TIERÄRZTIN
Der Beitrag »Da kommt das Blut ins Kochen« ist der einseitigste, der mir in 50 Jahren SPIEGEL-Lesen je untergekommen ist.
BAD SOBERNHEIM (RHLD.-PF.) PETER CONRAD
Herzlichen Glückwunsch zu diesem ebenso wichtigen wie mutigen Artikel, der der selbstherrlichen Ignoranz der deutschen Jägerschaft hervorragend recherchierte Fakten entgegensetzt. Wer Freude am Töten wild lebender Tiere empfindet und massive, aber wissenschaftlich absurde Negativpropaganda gegen Füchse und andere wichtige Mitglieder des natürlichen Gleichgewichts lanciert, um deren massenhaften Abschuss zu rechtfertigen, gehört ganz gewiss nicht mit einer Flinte in den Wald.
NEUFFEN (BAD.-WÜRTT.) DAG FROMMHOLD
Es ist unbestritten, dass das deutsche Jagdgesetz in einigen Punkten reformbedürftig ist. Die Ideen des Ökologischen Jagdvereins aber widersprechen in wesentlichen Punkten eklatant den Kernforderungen des europäischen Tierschutzes. Die Schusszeiten für Rot- und Rehwild nur noch auf den Spätherbst beziehungsweise Winter zu reduzieren heißt im Klartext, das Wild über Treib- und Drückjagden, also so genannte Bewegungsjagden, zu »bekämpfen«. Oft sind schmerzhafte, nichttödliche Schussverletzungen die Folge. Darum sind seit Jahresfrist in den vom SPIEGEL zitierten Niederlanden diese Jagden verboten. Gott sei Dank haben nun auch der deutsche Tierschutzbund e. V., der Bundesverband Tierschutz e. V. und der Bund gegen Missbrauch der Tiere e. V. schwer wiegende Bedenken zu diesen Plänen des Ökologischen Jagdvereins angemeldet.
NEUBEUERN (BAYERN) ENOCH ZU GUTTENBERG
Ich schäme mich angesichts der »wilden Funkenreißer«, über die Sie schreiben, tatsächlich in gewissen Situationen, mich als Jäger zu outen. Sicherlich ist der Aufklärungsbedarf seitens der Jäger bei weitem nicht gedeckt. Man feiert sich selbst in der einschlägigen Fachpresse und wird in allgemeinen Publikationen verteufelt. So ist ein gegenseitiges »Abkapseln« vorprogrammiert. Ich bin jedoch der Meinung, es sollte keine Parteien im Streit um die Jagd geben. Vielmehr wäre da ein konstruktiver Dialog vonnöten. Schwarze Schafe gibt es in jeder Gruppe. Man sollte sich jedoch hüten, deswegen die ganze Herde zu schlachten.
THARANDT (SACHSEN) FALK RICHTER