»Frieden der Mutigen« - DER SPIEGEL
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»Frieden der Mutigen«

Palästinenser-Präsident Jassir Arafat über die eskalierende Gewalt und mögliche Verhandlungen mit Ariel Scharon
• aus DER SPIEGEL 8/2001
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Herr Präsident, der Anschlag eines palästinensischen Busfahrers kostete acht Israelis das Leben. Der künftige Ministerpräsident Scharon beschuldigt Sie, dafür die Verantwortung zu tragen.

Arafat: Obwohl noch immer nicht eindeutig feststeht, ob es sich um eine gezielte Aktion oder um einen tragischen Unfall handelt, möchte ich klarstellen, dass ich jede Art von Terror grundsätzlich ablehne.

SPIEGEL: Können Sie denn überhaupt noch etwas gegen die eskalierende Gewalt unternehmen?

Arafat: Ich tue alles, was in meinen Kräften steht. Doch was heißt das schon? Die israelische Aggression gegen unser Volk dauert bereits fünf Monate. Wir beklagen über 400 Tote und mehr als 20 000 Verwundete. Über 120 000 palästinensische Arbeiter wurden in Israel von ihrem Arbeitsplatz verjagt, 200 000 Arbeitnehmer in unseren Autonomiegebieten haben keine Verdienstmöglichkeiten mehr als Resultat der Abschnürung unserer Territorien und der dort angerichteten Zerstörungen.

SPIEGEL: Also schadet die Intifada den Interessen der Palästinenser ...

Arafat: ... was uns am meisten schadet, sind die gezielten israelischen Attacken

auf unser Volk. Die Intifada ist Ausdruck des Widerstands gegen die Besetzung unseres Landes, ein Aufbegehren gegen die Abschottung unserer Dörfer und Städte, gegen die Politik des jüdischen Siedlungsbaus auf unserem Territorium und gegen die wachsende militärische Gewalt.

SPIEGEL: Solange die Intifada weitergeht, will Scharon die Verhandlungen nicht wieder aufnehmen. Was dann?

Arafat: Im ägyptischen Scharm al-Scheich hatten wir uns im Oktober im Beisein des damaligen amerikanischen Präsidenten Bill Clinton und von Uno-Generalsekretär Kofi Annan über die Beendigung der Kette von Gewalt geeinigt. Beide Seiten sollten auf die Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen hinarbeiten. Doch die Israelis zogen weder ihre Truppen ab, noch beendeten sie die Blockade unserer Gebiete, sondern verschärften den militärischen Druck.

SPIEGEL: Halten Sie Verhandlungen mit Scharon überhaupt für sinnvoll, der Ost-Jerusalem und den Golan behalten will und nicht bereit ist, die Abmachungen zu respektieren, die Ehud Barak Ihnen angeboten hatte?

Arafat: Die früheren Abmachungen sind internationale Vereinbarungen und keineswegs bilaterale Verhandlungsergebnisse. Sie wurden alle unter der Schirmherrschaft der beiden Sponsoren USA und Russland getätigt.

SPIEGEL: Wenn Scharon nicht mitspielt?

Arafat: Ich glaube, dass sich keine israe-lische Regierung von den einmal eingegangenen Verpflichtungen lösen kann, denn das hätte äußerst schlimme Konsequenzen für die gesamte Region. Wir setzen uns jedenfalls nach wie vor für einen Frieden der Mutigen ein, der den palästinensischen und israelischen Kindern gleicherweise Geborgenheit und Wohlstand bescheren soll.

INTERVIEW: VOLKHARD WINDFUHR

* In Gaza nach einem israelischen Hubschrauberangriff auf einenSicherheitsoffizier Arafats.

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