FRIEDENSVERTRAG
Das Auswärtige Amt hat in einer für Bundeskanzler Adenauer bestimmten Expertise davor, gewarnt, die Erörterung eines deutschen Friedensvertrages auf der geplanten Gipfelkonferenz anzustreben. Andernfalls sei es unumgänglich, das heikle Problem der Oder-Neiße-Grenze aufzurollen, mithin die deutschen Forderungen auf Rückgabe der verlorengegangenen Ostgebiete anzumelden. Da mit einer deutschen Beteiligung an der Ost-West -Konferenz nicht zu rechnen sei, müßten zwangsläufig die Amerikaner veranlaßt werden, den Sowjets die deutschen Gebietswünsche zu präsentieren. Die Vereinigten Staaten hätten aber bereits zu verstehen gegeben, daß sie die amerikanisch-russischen Beziehungen im gegenwärtigen Stadium mit einer derartigen Forderung nicht zu belasten gedenken. Für den Fall, daß die Bundesregierung darauf bestehe, den deutschen Friedensvertrag zum Gesprächsthema der Gipfelkonferenz zu machen, werde die Gefahr einer tiefen Kluft zwischen Washington und Bonn heraufbeschworen.