Frisch: kommt - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 58 / 128

PROJEKTE Frisch: kommt

• aus DER SPIEGEL 7/2001
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

An einem solchen Streit um semantische Details hätte der vor zehn Jahren verstorbene Dichter Max Frisch wohl seine Freude gehabt: Sollte die Werkschau des Senders 3sat den Titel »max frisch: jetzt« tragen oder doch eher »jetzt: max frisch«? Die Fernsehgewaltigen stritten erbittert, doch so oder so - der Meister kommt ins Fernsehen. In der Zeit vom 2. April bis zum 3. Mai steht die Kooperation von ARD, ZDF, ORF und SRG ganz im Zeichen des 1911 geborenen Charakterkopfes. Unter der Bezeichnung »jetzt: max frisch« werden in Fernsehen und Hörfunk insgesamt gut 75 Sendungen ausgestrahlt, im Suhrkamp-Verlag soll ein Begleitbuch erscheinen. Für SWR-Programmdirektor Christof Schmid, 3sat-Koordinator der ARD, haben Frischs Texte über Identität und Toleranz heute nichts an Aktualität eingebüßt. Zu sehen sind neben dem Kinofilm »Homo Faber« (Regie: Volker Schlöndorff) auch Theateraufzeichnungen, Fernsehspiele, Dokumentationen und Gespräche. Doch nicht nur Konserven strahlt 3sat aus, es gibt auch Neuproduktionen, beispielsweise die Collage »Mein Name sei Frisch« von Hugo Loetscher und die im Januar aufgezeichnete Wiener Inszenierung von »Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie«. Die These aus der »Zeit«, wonach die großen Sender das »ganze theoretische Zeug wie Philosophie, Ethik, Wissenschaft oder Kulturtheorie in die Spartenkanäle Arte und 3sat« abdrängen, welche die Zuschauer durch endloses Recycling einiger weniger Sendungen »systematisch langweilen«, mag Programm-Macher Schmid nicht gelten lassen. Nicht wo Kultur stattfinde, sei entscheidend, sondern wie gut sie präsentiert werde.

Zur Ausgabe
Artikel 58 / 128