Hausmitteilung Frontberichte
Datum: 10. Mai 1982 Betr.: Frontberichte
Kaum ein Krieg in den vergangenen drei Jahrzehnten, über den im SPIEGEL nicht auch SPIEGEL-Augenzeugen berichteten. Mit einem Waffentransport aus Lissabon flog Redakteur Siegfried Kogelfranz in die eingeschlossene abtrünnige Nigeria-Provinz Biafra ein. Im indisch-pakistanischen Krieg wurde er kurzfristig als Spion festgenommen. Er war an der Front in Vietnam und beim Türken-Einfall in Zypern.
Börries Gallasch und Tiziano Terzani ließen sich vom Vormarsch der Nordvietnamesen in Saigon überrollen, um Zeugen der Kapitulation Südvietnams zu sein. Klaus Reinhardt beobachtete in Kambodscha den Endkampf des Lon-Nol-Regimes gegen die Roten Khmer, 16 Journalisten-Kollegen blieben in und um Pnom Penh verschollen. Im Libanon geriet Volkhard Windfuhr ins multilaterale Feuer. Wolf Dieter Steinbauer und Adel Elias lagen zuletzt im Sand bei Chorramschahr auf irakischer Seite unter iranischem Beschuß. Erich Wiedemann überstand den heikelsten seiner journalistischen Kriegseinsätze im Tschad. Als Journalist an die Front zu kommen, resümiert er, falle »gewöhnlich leichter auf der Seite, die gerade gewinnt«.
Den unerklärten, unentschiedenen Falkland-Krieg haben beide Seiten bislang der Direktbeobachtung durch Wort- und Bildreporter aus Drittländern entzogen. An Informationen über den absurden Krieg und seine Folgen nicht nur für Argentinien und England, Galtieri und Thatcher, ist dennoch kein Mangel. Zum Titelkomplex dieses Heftes (Seiten 124 bis 143) haben aus Buenos Aires und London die SPIEGEL-Redakteure Jutta Fischbeck (1976 Frontbeobachterin in Angola), Enrique Müller-Cargua, Joachim Hoelzgen und Helmut Sorge beigetragen.
Auf dem Weg zum Interview mit dem kriegerischen Unterhausabgeordneten Winston Churchill jr. (Seite 133) trafen Hoelzgen und Sorge den britischen Ex-Premier Edward Heath. Er fragte sie, was sie denn mit dem Enkel des großen Weltkriegspremiers zu bereden hätten. Antwort: »Wir versuchen, die Falkland-Krise zu verstehen.« Heath: »Na, dann viel Glück!«