Fünf statt vier zu Gorbatschow
Unter fast schon konspirativen Umständen trafen sich am 17. Mai neun Amerikaner im Moskauer Gorki-Park: Um vor unerwünschten Mithörern sicher zu sein, wollten die Mitarbeiter der »Washington Post« und des Nachrichtenmagazins »Newsweek« Probleme vor ihrem Gorbatschow-Interview lieber unter freiem Himmel besprechen. Nach Kreml-Ritual sollten nur vier Fragesteller in das Allerheiligste des Parteichefs gelangen - die Amerikaner wollten zu fünft. Ausweg: Katharine Graham, Herausgeberin beider Blätter, wurde formell zur Delegationsleiterin der vier anderen Interviewer ernannt. In der genehmigten, auch für die heimischen Medien bestimmten Fassung des teils schriftlich, teils mündlich geführten Gesprächs änderten die Sowjets allzu scharf gestellte Fragen. Jede Erwähnung des Gorbatschow-Gegners Ligatschow wurde gestrichen. Bislang protestierte Moskau nicht dagegen, daß die Amerikaner die ausgemerzten Stellen dennoch - in Klammern - publizierten.