Furcht nach Festnahmen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 7 / 113

TERRORISTEN Furcht nach Festnahmen

• aus DER SPIEGEL 37/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mehrere Festnahmen kurz vor dem ersten Jahrestag der Anschläge vom 11. September haben bei den deutschen Sicherheitsbehörden Furcht vor Attentaten ausgelöst. In Walldorf bei Heidelberg nahm die deutsche Polizei zusammen mit US-Kollegen einen 25-jährigen Türken und seine 23-jährige Verlobte, eine aus der Türkei stammende Amerikanerin, fest. In der Wohnung der beiden fanden sich fünf vorbereitete, aber noch nicht mit Sprengstoff befüllte Rohrbomben nebst elektronischen Zeitzündern und 130 Kilogramm zum Bau von Sprengsätzen tauglicher Chemikalien. Der Türke ist Lagerarbeiter in einer Karlsruher Chemiefirma. Sichergestellt wurden auch ein Bild Osama Bin Ladens, islamische Literatur und zwei Computerdisketten, die nun ausgewertet werden. Das Paar war aufgefallen, weil die Frau, Mitarbeiterin in einem Supermarkt der U. S. Army nahe dem Heidelberger Hauptbahnhof, gegenüber einer Freundin Bewunderung für Bin Laden geäußert hatte. Als sie ihrer Bekannten riet, sich in den nächsten Tagen von dem Supermarkt fern zu halten, weil dort bald etwas passieren würde, informierte diese die US-Militärpolizei, die den Tipp an die Deutschen weitergab. Ihr Verlobter galt den Staatsschutzbehörden bisher als unverdächtig, doch wurde er vor einigen Jahren wegen Rauschgiftschmuggels und Eigentumsdelikten verurteilt. Sicherheitskreise befürchten nun, dass auch andere Muslime sich aufgerufen fühlen könnten, im Umfeld des Jahrestags Anschläge zu begehen. Diesen Montag wollen Polizeiexperten noch einmal die Gefährdungslage debattieren.

Bereits am 24. August nahmen US-Fahnder in Virginia den in Hamburg lebenden gebürtigen Afghanen Safiola L., 39, fest. Der deutsche Staatsbürger war vor acht Wochen zu Verwandten in die USA geflogen. Bei der Einreisebefragung räumte L. ein, 1994 in einem Hamburger Wohnheim Mitbewohner Mohammed Attas gewesen zu sein. Auch gestand er enge Kontakte zu weiteren Terrorverdächtigen wie dem in Syrien inhaftierten Mohammed Haydar Zammar. Bei einer Durchsuchung von L.s Wohnung in Hamburg-Barmbek wurden islamistische Videos sichergestellt.

Zur Ausgabe
Artikel 7 / 113