RELIGION Furcht vor Kirchenspaltung
Im deutsch-niederländischen Grenzgebiet hat sich ein Glaubensstreit zwischen der katholischen Kirche und der abtrünnigen Bruderschaft St. Pius X. entzündet. Das Bistum Aachen sprach jetzt eine Warnung an seine Gläubigen aus, die traditionellen katholischen Adventsgottesdienste in der fünf Kilometer von Aachen entfernten Kirche St. Maria zu den Engeln zu besuchen. Das neugotische Gotteshaus liegt nur 50 Meter hinter der Grenze auf niederländischem Gebiet und wurde von der als erzreaktionär geltenden katholischen Bruderschaft Pius kürzlich erworben. Auch der Bischof des angrenzenden Bistums Roermond, Franz Wiertz, hat vor den auf Lateinisch gehaltenen Messen der umstrittenen Katholikengruppe gewarnt, deren Gründer, Erzbischof Marcel Lefebvre, vom Vatikan exkommuniziert wurde. Ihre Taufen würden nicht anerkannt und die Kinder nicht ins offizielle Pfarrregister eingetragen. Einzelne Priester des Bistums Aachen haben sogar öffentlich zum Widerstand gegen die zugezogene Bruderschaft aufgerufen. Sie befürchten »Kirchenspaltung in unseren Gemeinden, seelische Abhängigkeiten und Unfrieden bis in einzelne Familien hinein«. Die Piusbrüder wiederum fühlen sich verleumdet, machen jedoch aus ihrer ablehnenden Haltung zur offiziellen katholischen Kirche keinen Hehl. Ein Sprecher: »Wir sind das Mittelalter, und wir lieben das Mittelalter. In unseren Gottesdiensten ist kein Platz für all jene Neuerungen, die in den letzten Jahrzehnten den wahren Gotteskult verunstaltet und entwürdigt haben.«