Gedämpfte Reiselust - DER SPIEGEL
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KENIA Gedämpfte Reiselust

• aus DER SPIEGEL 34/2005
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Wenige Wochen nach dem spektakulären G-8-Gipfel zur Bekämpfung der Armut und der Ankündigung, konsequenter gegen die Korruption in Afrika vorzugehen, knöpft sich Großbritannien Ostafrikas schlimmste Kleptokraten vor. Die erste rote Karte erhielt der als hochgradig korrupt geltende Transportminister Christopher Ndarathi Murungaru in Nairobi: Ihm wurde das Visum für das Vereinigte Königreich entzogen. Einen Tag bevor der Minister nach London fliegen wollte, ließ das Foreign Office diversen internationalen Fluglinien brieflich mitteilen, »das Visum im Pass des oben genannten Gentleman« sei »zurückgezogen« worden, »ihm ist es deshalb nicht gestattet, ins oder durch das Vereinigte Königreich zu reisen«.

Eine diplomatisch nicht eben feinsinnige Begründung lieferten die Briten wenig später nach. Der Minister sei wegen seines »Charakters, seines Verhaltens und seines Umgangs« für einen Besuch der Insel nicht geeignet. Mindestens fünf weiteren Ministern soll jederzeit das Visum entzogen werden können, heißt es in Nairobi.

Nach Untersuchungen von Transparency International zählt Kenia zu den 20 korruptesten Systemen weltweit. Bereits der frühere britische Hochkommissar, Sir Edward Clay, brandmarkte die Regierungsmitglieder in Nairobi deshalb als »Vielfraße«. London muss sich wegen seiner klaren Haltung allerdings auf Ungemach einstellen, schon forderte der Konflikt ein erstes Opfer. Aufgebrachte Randalierer setzten nach einer Demonstration gegen die früheren Kolonialherren das Eigentum eines weißen Farmers in Brand. Der geschürte Volkszorn traf allerdings den Falschen: Der vermeintliche Brite entpuppte sich als Amerikaner.

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