Gefährliche Mischung - DER SPIEGEL
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Briefe

Gefährliche Mischung
• aus DER SPIEGEL 44/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Gefährliche Mischung

Nr. 42/2002, Mythen: Warum Verschwörungstheorien über den 11. September vielen deutschen Intellektuellen ins Weltbild passen

Ich sage Ihnen was: Bielefeld existiert nicht! Es gibt lediglich ein unterirdisches Kernforschungslabor, die Bielefelder Gebäude und Menschen sind nichts als Attrappen und Schauspieler! Dies ist zweifellos eine der originellsten Verschwörungstheorien, die ich je gehört habe, eine, die genau wie die meisten ihrer Art eher mit Humor zu nehmen ist. Warum werfen Sie aber Leute, die so etwas verbreiten, in einen Topf mit Menschen, die lediglich kritische Fragen stellen und gelegentlich das anzweifeln, was ihnen von Regierung und Medien als tatsächlicher Sachverhalt präsentiert wird? Wer wären wir, würden wir alles hinnehmen und ohne Zweifel glauben? Sie enttäuschen mich.

BERLIN JOHANNES HAMMERSCHMIDT

Die »offenen Fragen«, die der SPIEGEL am Ende des Artikels zusammenfasst, entsprechen exakt jenen, die Bröckers sowohl zum Ausgang als auch zum Kernpunkt seines redundanten Buches gemacht hat. Warum dann Ihr Verriss? Der SPIEGEL-Leser kann sehr wohl zwischen Fakten und Spekulationen unterscheiden. Der SPIEGEL aber macht aus dem begründeten Verdacht einer Mitwisserschaft die Unterstellung einer Täterschaft. Doch wohl deshalb, um den Eindruck des Absurden hervorzurufen. Dass der SPIEGEL versucht, die bestürzenden Ungereimtheiten um das WTC-Attentat damit zu erklären, die Geheimdienste der Weltmacht Nummer eins bestünden aus einem Haufen schwachköpfiger Versager, stellt wohl den Gipfel einer Unterschätzung des SPIEGEL-Lesers (und der USA) dar!

BAD KISSINGEN DR. NORBERT WILLERDING

Was alle Verschwörungstheoretiker gern übersehen, ist die gefährliche Mischung aus Selbstüberschätzung und Negierung von Tatsachen. Wer vor dem 11. September trotz vieler eindeutiger Hinweise nicht an einen terroristischen Anschlag dieses Ausmaßes glauben konnte, wird sich auch bei einem Angriff auf »Teufel« Saddam Hussein und sein Land nicht von allen Warnungen vor den Folgen abhalten lassen. Leider werden auch wir Deutsche für diese Ignoranz von Bush & Co. bezahlen müssen, gleichgültig, welche Haltung wir zu einem Angriff auf den Irak einnehmen.

BAD CAMBERG (HESSEN) WOLFGANG FLADUNG

Der Artikel krankt an der Verallgemeinerung: »die« Verschwörungstheoretiker, »sie wollen an Legenden stricken«. Warum alle über einen Kamm scheren? An die Pentagon-Verschwörung von Thierry Meyssan glaube ich auch nicht, aber Bröckers und Bülow stellen einfach nur Fragen, die der Autor des Beitrags am Ende sogar selbst stellt. Zu glauben, dass eine Verschwörung nicht existiert, nur weil eine Regierungskommission keine solche feststellt, ist ja wohl reichlich naiv.

AHRENSHOOP (MECKL.-VORP.) PAUL SCHREYER

Es ist keine »kritische Phantasie« mehr, sondern ideologische Blindheit, wenn man das Offensichtliche in Frage stellt. Die ständige Berufung auf »die Wahrheit« seitens der Verschwörungstheoretiker erinnert an die Phraseologie der kommunistischen Regime; da war man auch der Meinung, »die Wahrheit« nur für sich gepachtet zu haben. Insofern wundert es einen nicht, dass die Verschwörungstheoretiker immer dann lauter werden, wenn es gilt, die »bösen USA« wieder mal bloßzustellen. Dieses »Gefühl«, von dem sie ausgehen, ist kein geheimnisvolles, sondern das längst bekannte Grundgefühl des Antiamerikanismus der linken Intelligenzija.

BERLIN PANOS ALEVIZAKIS

Der Vergleich von Auschwitz-Lüge und dem Fragen nach Ursachen und Hintergründen des Anschlags auf das WTC ist infam und abwegig. Zur Diskreditierung von Linken (und deutschen Intellektuellen mit »unamerikanischen Umtrieben") scheint jedes Mittel recht. Wie wohltuend gescheit und kontrastreich dagegen das nachfolgende Interview mit Richard Sennett, der die Europäer eindringlich warnt, die USA zu kopieren, und feststellt: »Die Achse des Bösen ist lang. Die Bush-Regierung lebt vom Krieg.«

BERLIN MATHIAS TIETKE

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