ASERBAIDSCHAN Gefährlicher Kollaps
Die schwer angeschlagene Gesundheit von Staatschef Gejdar Alijew lässt Befürchtungen wachsen, die Kaukasusrepublik könnte erneut in eine Ära der Instabilität abgleiten. Der frühere Geheimdienstchef und KP-Führer war vergangenen Montag während einer Rede vor Militärs gleich zweimal kollabiert - das ganze Land konnte die Szene live am Fernseher verfolgen. Alijew, der am 10. Mai 80 Jahre alt wird, solle die Macht »sofort abgeben« und bei der Präsidentenwahl im Oktober nicht noch ein drittes Mal antreten, forderte daraufhin die Opposition. Doch der greise Polit-Fuchs versucht gegenzusteuern: Gleich nach dem Zusammenbruch eilte Premier Artur Rasisade nach Washington, offenbar, um dort Optionen für die Alijew-Nachfolge zu sondieren. Rasisade könnte zurücktreten und damit die vom Staatschef gewünschte Erbfolge einleiten, glauben Beobachter - zu Gunsten seines Sohns Ilcham. Der ist bislang Vizechef der aserbaidschanischen Ölgesellschaft, würde aber als Premier laut der erst jüngst geänderten Verfassung automatisch Interims-Nachfolger des Präsidenten. In Washington mehren sich jedoch Stimmen, die eine Wende zur Demokratie in der vom Alijew-Clan beherrschten Republik fordern. Alijew senior hatte in letzter Zeit stark auf die USA gesetzt, für die Aserbaidschan ein wichtiger Partner in der Krisenregion Kaukasus ist. Mit US-Hilfe trieb Alijew vor allem das Drei-Milliarden-Dollar-Projekt einer Öl-Pipeline von Baku über Tiflis bis ins türkische Ceyhan voran. Den im Irak siegreichen Amerikanern will er 150 Soldaten zum Schutz historischer Stätten in Kerbela, Kirkuk und Mossul andienen. Aus Washington kam vorige Woche auch prompt ein beruhigendes Signal: Die große Pipeline sei trotz der Spekulationen um Alijew nicht gefährdet, auch nicht durch den amerikanischen Erfolg im Irak. Das aserbaidschanische Öl, das ab 2005 nach Ceyhan fließen soll, bleibe nach wie vor gefragt: Bis Bagdad wieder das frühere Niveau seiner Ölförderung erreiche, würden »noch Jahre« vergehen.