Gegen die Schlussstrich-Demagogie - DER SPIEGEL
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Briefe

Gegen die Schlussstrich-Demagogie
• aus DER SPIEGEL 29/2002
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Gegen die Schlussstrich-Demagogie

Nr. 27/2002, Debatten: Martin Walsers Roman »Tod eines Kritikers« im Buchhandel - der Antisemitismus-Streit geht weiter

Wenn jemand über eine historische Person behauptet, wie Ihre Autorin es in Walsers Roman liest, sie sei »korrupt«, »geil« und Jude, dann redet er noch über eine zufällige Eigenschaftskombination. Erst wenn jemand behauptet, ein anderer sei »korrupt« und »geil«, weil er Jude ist, ist das Antisemitismus. Statt diesen Antisemitismus bei Walser nachzuweisen, denunziert die Autorin jene, die ihre und Herrn Schirrmachers »Analysen« nicht plausibel finden, pauschal als Sozialneider: »Und wie viel Rivalität und Enttäuschung motiviert die Schirrmacher-geschädigten ehemaligen ,FAZ'-Redakteure, die nun gegen Schirrmacher schreiben?«, ohne deren Argumente auch nur zu erwähnen. Was von Walsers Roman zu halten ist, weiß ich nicht; aber was von einer Literatur-»Kritik« zu halten ist, die Kritisierten und Lesern gleichermaßen und ausschließlich unter die Gürtellinie zielt, das weiß ich.

BERLIN ULRICH BERGMANN

Vielen Dank, dass Sie nicht der Schlussstrich-Demagogie verfallen und in Ihrem Beitrag auch die Reaktionen der Medien auf den Walser-Skandal analysieren, nämlich welcher Redakteur da welchem ehemaligen Kollegen eins auswischen will und dazu die Antisemitismus-Debatte benutzt, was mindestens genauso unlauter ist wie das Corpus delicti selbst. Fassungslos und bestürzt bin ich bei dieser Debatte besonders darüber, dass sich nun langsam Vertreter genau jener Generation outen, die uns als Lehrer und Eltern in die KZ-Gedenkstätten geschickt und uns im Geschichtsunterricht beigebracht haben, was es heißt, aus Schuld eine Verantwortung zu machen. Und genau die kramen nun ihren eigenen unreflektierten Unrat hervor und erzählen uns, alles verjährt, jetzt muss doch mal endlich gesagt werden, dass ...

BRIXEN (ITALIEN) STEPHANIE RISSE-LOBIS

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