RUSSLAND Geheimsache »Kursk«
Moskaus Admiräle setzen alles daran, dass kein Unbefugter dem vor einem Jahr gesunkenen Atom-U-Boot »Kursk« zu nahe kommt. Deshalb haben sie sogar alle größeren Seemanöver und regelmäßigen Patrouillen im Mittelmeer abgesagt. Nur so konnte die russische Marine über zwölf Monate den lückenlosen Schutz des in der Barentssee auf Grund liegenden Wracks sicherstellen. Anlass für die Geheimniskrämerei: An Bord dieses modernsten Unterwasserkreuzers der Russen-Flotte stecken noch immer 24 Marschflugkörper vom Typ »Granit« in ihren Startsilos. Von der überschallschnellen Rakete, dem modernsten russischen Überwasser-Geschoss gegen schwimmende Ziele, kennt der Westen so gut wie keine Details. »Liebend gerne würden die Amerikaner eines davon in die Hände bekommen«, weiß Edward Hooton, Herausgeber des angesehenen Fachbuchs »Jane's Naval Weapon Systems«. Allein Menge und Art des Treibstoffs würde es erlauben, die genaue Reichweite der Waffe zu berechnen, die nach Schätzungen bis zu 550 Kilometer weit fliegen soll. Vor allem um diese Waffen wieder in sicheren Gewahrsam nehmen zu können, hat Präsident Wladimir Putin offenbar die aufwendige Bergungsaktion angeordnet, mit der die Kursk bis 20. September vom Meeresgrund gehoben werden soll. Das würde auch erklären, warum die Russen den zerfetzten Bug der Kursk, der allein Einblick in die Unglücksursache gewähren könnte, mit einer Riesen-Kettensäge vom halbwegs unbeschädigten Rest des Bootes trennen und - vorerst - auf dem Meeresgrund zurücklassen wollen. Denn unbeschädigt im Rumpf des Bootes, zwischen Druckkörper und äußerer Schutzhhülle, stecken die »Granit«-Geschosse - leicht zugänglich für erfahrene Taucher.