Geisel der Tiger - DER SPIEGEL
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SRI LANKA Geisel der Tiger

• aus DER SPIEGEL 18/2009
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Heerscharen von Flüchtlingen, geschwächt und nur mit dem Nötigsten ausgestattet, drängten an die Ufer des Indischen Ozeans, der Strand war schwarz vor Menschen. Dieses Drama im Norden Sri Lankas, wo die Tamilischen Tiger (LTTE) auf einem schmalen Küstenstreifen nahe Mullaittivu ihre letzten Geiseln als Faustpfand in einer »kriegsfreien Zone« hielten, erreichte vorige Woche einen neuen Höhepunkt. Höchstens 300 Rebellen bewachten mit vorgehaltenen Gewehren mindestens 30 000 verzweifelte Tamilen, für deren Interessen die LTTE doch seit knapp 26 Jahren einen Aufstand gegen die Regierung in Colombo zu führen behauptet.

Die Regierungstruppen waren Ende vergangener Woche angeblich nur noch wenige Kilometer vom Versteck des Tiger-Führers Velupillai Prabhakaran entfernt. Ein Ultimatum zur bedingungslosen Kapitulation hatte die LTTE verstreichen lassen. Über 100 000 Zivilisten retteten sich in Gebiete unter Armeekontrolle, sri-lankische Diplomaten sprachen sogar von 160 000. In zum Teil endlosen Trecks wateten die Fliehenden durch eine seichte Lagune, andere versuchten, auf Booten Südindien zu erreichen - unter Armeebeschuss, wie die rebellenfreundliche Agentur »Tamilnet« behauptete. Ein Diplomat warnt nun vor einer menschlichen Tragödie: Colombo sei überfordert, »wir brauchen Trinkwasser, medizinische und sanitäre Hilfe, außerdem müssten sofort Minenräumkommandos ans Werk gehen«. Befürchtet wird, dass sich die letzten Tiger, womöglich auch prominente, unter die Flüchtlinge mischen, um sich dem Zugriff der Regierung zu entziehen. Nach Uno-Angaben starben seit Januar rund 6500 Zivilisten in dem Bürgerkrieg.

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