ITALIEN Geistig gestört
Mit abstrusen Attacken gegen die Justiz hat Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi wieder einmal für politischen Aufruhr gesorgt und den schwelenden Konflikt zwischen den Verfassungsorganen seines Landes neu entfacht. Als »politisch und überhaupt verrückt« klassifizierte er in einem Interview mit dem konservativen englischen Magazin »The Spectator« die italienischen Richter. Um deren »Job zu machen«, so Berlusconi, »muss man geistig gestört sein, psychische Störungen haben«. Nur wer »anthropologisch anders« sei als der Rest der Menschheit, wähle diesen Beruf. In die aufflammende Empörung von Justiz und Opposition setzte Berlusconis Parteisprecher Sandro Bondi noch eins drauf: Der Premier habe »nur den Mut gehabt, das auszusprechen, was die Mehrheit der Italiener denkt«. Da griff selbst Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi ein. Er sei überzeugt, widersprach er in einer offiziellen Note, dass die Italiener »volles Vertrauen in die Justiz« hätten, und das zu Recht. Bislang hatte Ciampi stets versucht, fragwürdige Aktionen Berlusconis hinter den Kulissen zu stoppen. Nun ist das Staatsoberhaupt offenbar zur direkten Konfrontation mit dem Regierungschef bereit. Zarte Einflussnahme, heißt es in Ciampis Umgebung, reiche nicht mehr.