GEISTLICHE
(Nr. 17/1954, Deutschland)
Ich bedauere feststellen zu müsssen, daß Sie sich in Ihrer Nummer 17 vom 21. April 1954 wieder mit einer Verfehlung eines katholischen Geistlichen beschäftigen ("Begünstigung - Blut vom Preußen« auf Seite 16/17 der genannten Ausgabe). Ich bin selbstverständlich weit davon entfernt, solche Verfehlungen zu entschuldigen, bei Geistlichen sind sie außerdem besonders verabscheuungswürdig. Aber auch Geistliche sind nur Menschen mit allen Schwächen und Unzulänglichheiten; schließlich darf man bei Beurteilung derartiger Fälle nicht außer acht lassen, daß Tausende von Geistlichen und Ordensleuten einen sehr sauberen und zum Teil entsagungsvollen und opferbereiten Lebenswandel im Dienste der Nächstenliebe führen ...
Ich bitte vormerken zu wollen, daß ich Ihre Zeitschrift hiermit abbestelle.
München
Franz S. Manzinger
... Ein sehr trauriger Fall. Aber wir stecken davor den Kopf nicht in den Sand. Der überzeugte und reife Katholik, vielleicht auch andere Christen, beziehen ihr Evangelium nicht aus diesen Quellen. Sie wissen, daß Herr Jesus Christus nicht eine Kirche
der Engel und Heiligen gegründet hat, sondern diese der schwachen, sündigen Menschen. Dieses erhärten die Fälle im Apostelkreise selbst, als sogar noch unter dem wuchtigen, faszinierenden Eindruck der gottmenschlichen Persönlichkeit des Messias zwei Apostel versagten, von denen einer gar nicht mehr zurückfand. In der gesamten geschichtlichen Tradition ist die Heiligkeit und Würde des vom Herrn gewählten Apostel-Kollegiums (Grundstock der Kirche!) durch den Verrat des Judas nicht berührt oder in Frage gestellt. Aber ein Fanal ist dieses Vorkommnis für alle Zeiten ...
Konstanz
Magda Gorzel
Für die Verfehlungen des Sebastian Ruhland (SPIEGEL 17/1954) oder des Geistlichen Rats Bichler (SPIEGEL 8/1954) wird kein Einsichtiger die Kirche verantwortlich machen. Bedenklich ist nur, daß in beiden Fällen offenbar die Kirche versucht hat und noch versucht, ihre schwarzen Schäflein zu schützen, sie dem strafenden Arm der Gerechtigkeit zu entziehen. Solcher Korpsgeist steht der Kirche schlecht zu Gesicht, und sie darf sich nicht beklagen, wenn sie deswegen in aller Öffentlichkeit angegriffen wird.
Hannover
Walter Kiewitt