Gemischte Suppe - DER SPIEGEL
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Briefe

Gemischte Suppe
• aus DER SPIEGEL 3/1983
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Gemischte Suppe

(Nr. 51, 52/1982, China: SPIEGEL-Redakteur Tiziano Terzani über Peking)

Terzani verschweigt das Entscheidende: Die Kommunisten haben es geschafft, das Massenelend zu beseitigen, wenn auch nicht die Armut.

Diese nicht selbstverständliche Errungenschaft kann man nur ermessen, wenn man sich das Vegetieren und Verhungern unzähliger Menschen, etwa in vergleichbaren Millionenstädten Indiens, vor Augen hält. Aber diese Städte sind dafür viel »bunter«, nicht so »monoton«, und Bordelle gibt es sicher auch noch.

So schlimm die Bausünden im einzelnen sind, die bejammerte Pekinger Ost-West-Achse zerschlägt gewachsene Bauviertel nicht so brutal wie etwa die Stadtautobahn in Berlin (West), man kann sie nämlich fast überall passieren.

Die Abschaffung von Hunden wäre sogar in den viel besser gestellten Großstädten westlicher Industrienationen der Nachahmung zu empfehlen, vielleicht nicht über die von Tierfreund Terzani beklagte »Karrenmethode«, sondern einfach über eine 100fache Anhebung der Hundesteuer.

Mir hat dazu in China niemand weder die tolle Mao-Story vom »bellenden Hund« noch die rührselige Mär vom Helfer gegen Geheimpolizisten erzählt, sondern es wurden so einleuchtende Gründe wie Hygiene oder nutzlose Fleischfresser genannt.

Berlin ALFRED KERNDEL

Der Artikel über Peking veranschaulicht nicht »die Bürden des täglichen Lebens« der Menschen im chinesischen Kommunismus, sondern nur die Lasten von Vorurteilen, die der Redakteur zentnerweise mit sich herumtragen muß. Deshalb weint er ja auch eine Träne in sein Bierglas, daß es zum Beispiel keine Bordelle, keine Prostitution in Peking mehr gibt.

Ach, wie schade] - Keine bürgerliche Dekadenz wie auf der 44. Straße in Manhattan/New York.

Bochum HARALD MARTENS

Was uns Herr Tiziano Terzani in seinem Artikel bietet, ist eine mit Absicht zubereitete gemischte Suppe aus Tatsachen, Phantasie und nackter Erfindung. Wir dürfen nicht vergessen, daß Tatsachen irreführen, wenn sie gefärbt werden.

Im Stadtzentrum Mannheims sitzt ein Bettler mit seinem blinden Hund seit Monaten vorm Schaufenster des »Kaufhofs«, er macht dort Musik, um etwas Trinkgeld von vorbeigehenden Leuten zu bekommen. Wenn ich jetzt ein Photo von ihm mache, es an irgendeine chinesische Zeitung schicke, und noch mit einer Anmerkung versehe, die lautet: »Im kapitalitischen Deutschland werden die reichen Leute immer reicher, die armen immer ärmer. Das hier ist eine Straßenszene, die man täglich in Mannheim sehen kann. Hier können sich nur Reiche die Waren, die im Schaufenster gezeigt werden, leisten, während Arme auf der Straße um ein bißchen Brot betteln müssen.«

Wenn ich das gemacht hätte, hätte ich gelogen oder auch eine Tatsache geschrieben?

Peking, z. Z. Mannheim HONG FONG

Sie beschreiben die kleinfüßigen Polizisten. Straßenkomitees und Blockwarte als Erfindung von 1949. Da lohnt es sich, einen uralten »ekannten zu zitieren: Überhaupt ist die Beaufsichtigung der » » Bevölkerung in China eine sehr weit durchgeführte. Es gibt » » Beamte, Innenhof-Haus in Peking: »Nie fühlt man sich » » isoliert« die für eine gewisse Anzahl von Straßen und für » » alles, was darin passiert, verantwortlich sind. Unter ihnen » » stehen die 'Straßenhäupter', deren jedes eine einzelne Straße » » beaufsichtigt, die wieder in verschiedenen Abteilungen von » » 'Häuserhäuptern' bewacht wird. Unter diesen stehen dann die » » Familienväter, die alles, was in ihrer Familie geschieht, zu » » verantworten haben. (Karl May: »Der Blaurote Methusalem") »

Zürich EDUARD WIDMER

In Ihrem Bericht über Peking schreiben Sie, daß im letzten Winter monatlich 40 Tonnen Kohlenstaub pro Quadratmeter niedergegangen sind.

Wann beginnen die Ausgrabungen?

Zusmarshausen (Bayern) KARL DENK

Je dauerhafter, gründlicher und tiefer verwurzelt ein System der Unterdrücckung S.9 und Ausbeutung, desto umfassender die Zerstörung der sogenannten Symbole des alten Systems durch die Wut der Getretenen, desto größer die Blindheit des Volkes für seine eigenen Werke, die niemals wirklich den Ausbeutern gehörten, da sie mit der Kraft, dem Fleiß und Geschick, dem Schweiß und Blut des Volkes geschaffen wurden.

Köln W. SCHMITT

Fehlt es Ihnen an »menschlicher Wärme« in Peking, Herr Terzani? Brauchen Sie gelegentlich Spielarten des Nachtlebens, die Sie nach düsteren Recherchen des Tages wieder aufheitern?

Wie wär's mit einer Versetzung nach Bangkok?

Schanghai JÜRGEN NIEDER Tongji-Universität/Deutsche Abteilung

S.7

Überhaupt ist die Beaufsichtigung der Bevölkerung in China eine sehr

weit durchgeführte. Es gibt Beamte, Innenhof-Haus in Peking: »Nie

fühlt man sich isoliert« die für eine gewisse Anzahl von Straßen und

für alles, was darin passiert, verantwortlich sind. Unter ihnen

stehen die 'Straßenhäupter', deren jedes eine einzelne Straße

beaufsichtigt, die wieder in verschiedenen Abteilungen von

'Häuserhäuptern' bewacht wird. Unter diesen stehen dann die

Familienväter, die alles, was in ihrer Familie geschieht, zu

verantworten haben. (Karl May: »Der Blaurote Methusalem")

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