Generalprobe - DER SPIEGEL
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Briefe

Generalprobe
• aus DER SPIEGEL 36/1984
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Generalprobe

(Nr. 34/1984, Titel: Reagans bedrohliche Witze) *

Es war schon immer etwas abenteuerlich, wenn Schauspieler von Reagans Kaliber Eigenes live produzieren durften.

Berlin ROBERT LEBOSSALE

Gibt es eigentlich keine Möglichkeit, die geistige Zurechnungsfähigkeit der Leute, die über die Zukunft der Menschheit entscheiden, zu bestimmen?

Frankfurt ERNST GERHARDT

Ja, was war das? - Ist ein leidlich guter Schauspieler auch ein trefflicher, kluger Präsident? Überragende Leistungen auf der Leinwand hat er niemals geboten, der »wilde Westler« Ronald Reagan. Das große Land USA ist auch das Land der großen Unmöglichkeiten.

Gronau (Nrdrh.-Westf.) OTTO B. HEESE

Reagan witzelt, weil's ihn kitzelt!

Bremen JOHANNES REINERS

Der bedrohliche Humor Reagans wirkt ebenso makaber wie Ihre latente Verspottung der Amerikaner.

Solothurn (Schweiz) JOSEF P. SPECKER

Der Ausspruch Reagans war für Sie ein »gefundenes Fressen«, um den Amerikanern mal wieder eins auszuwischen, und: Für mich und viele andere haben Sie hier aus einem Pups ein ganzes Gewitter gemacht.

Hamburg HELLMUTH FEHLING

Ist nicht der Weltsicherheitsrat verpflichtet, Präsident Reagan auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen, ehe er Unheil anrichtet? Es ist ja bekannt, daß er in jungen Jahren als Cowboy-Imitator vom Pferd herunter auf den Kopf gefallen ist.

Offenburg HELMUT SOHRE

Angesichts der Tatsache, daß die deutsche Presse den pervers-humorigen Scherz des derzeitigen US-Präsidenten übertrieben servil und viel zu schnell unter den Teppich des Vergessens kehrte, gebührt dem SPIEGEL Dank und Anerkennung für die letzte Titelgeschichte als allein angemessene Wertung einer der makabersten Äußerungen dieses Jahrhunderts.

Dortmund WERNER LANGENFELD

Salve! Nero läßt grüßen.

Hattenhofen (Bad.-Württ.) DR. WOLFGANG BÖGEL

Reagan ist kein Zyniker, der mit dem Holocaust Scherz treibt. Davon handelt sein Witz gar nicht. Reagan stellt die Sache ja so dar, als seien die Russen nur eine Gangsterbande, und er sagt als Sheriff zu seinen Mitbürgern: »Habe die Freude, Ihnen mitteilen zu können, daß die Kerle geschnappt sind und in fünf Minuten hingerichtet werden.« Von Gegenschlag und Apokalypse keine Rede. Jeder Witz befriedigt Wunsch und Gegenwunsch, die, psychoanalytisch gesprochen, der Besetzung und Gegenbesetzung entsprechen. Reagans Wunsch: Vernichtung Rußlands. Sein Gegenwunsch: keine Gefährdung der USA. Beide Wünsche halten einander gewöhnlich gegenseitig in Schach (wie Besetzung und Gegenbesetzung). Im Witz werden sie aber paradoxerweise beide befriedigt und sind deshalb für einen Augenblick

befreit und schaukeln sich gegenseitig hoch.

Hannover DR. EIKE CHRISTIAN HIRSCH

Früher war's wohl so, daß Könige und Potentaten ihre Hofnarren hatten. Heute, im Zeitalter des »Do it yourself«, ist es eigentlich nicht verwunderlich, daß Reagan so was selber machen will.

Kapstadt E. SAUERBORN

Selbst seine früheren Brötchengeber, die Hollywood-Bosse, konnten kaum ahnen, daß der Film »Dr. Seltsam oder, wie ich lernte die Bombe zu lieben« eine Fortsetzung in die schreckliche Wirklichkeit finden würde.

Olching (Bayern) DR. ROLAND STAMMLER

Es ist schon empörend (und typisch), daß dem verbalen Scheinangriff des US-Präsidenten nun vom SPIEGEL eine mehrseitige Generalabrechnung über seine Politik und die USA folgt. In sehr zynischer und menschenverachtender Art hat sich ja eigentlich (schon vergessen?) die Sowjet-Union verhalten, als sie den mörderischen General, der für den Abschuß der südkoreanischen Verkehrsmaschine verantwortlich war, zum inzwischen stellvertretenden Verteidigungsminister beförderte.

Mosbach (Bad.-Württ.) DIETER BIEHL

Für die bündig geäußerte Bombardierungsabsicht des Mr. Reagan gelüstet es mich, den Philosophen Jean Paul zu bemühen: »Sprachkürze gibt Denkweise«.

Köln KARL-AUGUST PÜTZ

Ein solcher Präsident, der eine »schlichte Sprache« gebraucht, ist dem Volk allemals verständlicher als das Parteichinesisch linker Ideologen.

Kempten HANS BARETH

Hätte der Kreml-Boß grinsend erklärt, in fünf Minuten würde ein vollbesetzter Jumbo abgeschossen, und es bei dem albernen Witz belassen, die unschuldigen Opfer würden noch leben.

Duisburg HERMANN SCHOEN

Jedenfalls hat Reagan - im Gegensatz zu seinen linken Kritikern - das wahre, durch und durch böse Wesen des totalitären Sowjetsystems klar erkannt, so wie seinerzeit Roosevelt und Churchill - ebenfalls ihrer Zeit weit voraus - als erste Hitler durchschaut haben. Schon aus diesem Grund ist die Wiederwahl Reagans unerläßlich und sollten seine gelegentlichen rhetorischen Ausrutscher nicht allzu tragisch genommen werden.

Ludwigsburg DIETER BIEMÜLLER

Nicht durch schlechte Scherzmacher oder (ehemalige) Schauspieler wurde die Menschheit immer wieder in die Katastrophe geführt, sondern durch humorlose Fanatiker a la Hitler. Die sitzen jetzt im Kreml.

Köln DR. ZOLTAN BEZEREDJ

Moskau sollte Reagan einen Leninorden umhängen: Die Propagandaabteilung des KGB hätte es niemals geschafft, das Ansehen Amerikas in der Welt derart zu beschädigen, wie dies dem senilen Lächler gelungen ist.

Hannover ERNST-WILHELM SCHULZE

I had a dream last night: Killer Reagan nahm endlich seine Maske ab und darunter steckte Groucho Marx. Leider bin ich vor Lachen aufgewacht.

Düsseldorf GREGOR ORTMEYER

Bedrohlicher Humor? - Makabre Hanswurstereien eines peinlichen Verbündeten.

Wedel (Schlesw.-Holst.) KURT FRÖSCHKE

Das war nur die Generalprobe.

Mainz ROLF KLINGLER

BRIEFE

Verlust der Pfründe

(Nr. 32, 33, 34, 35/1984, Wie die SED die DDR regiert - Serie von Franz Loeser) *

Warum Professor Loeser fünfundzwanzig Jahre benötigte, um zu seinen Einsichten über den Sozialismus in der DDR zu gelangen oder erst verspätet die jetzt vollzogene Trennung durchführte, sich derweil aber noch für höchste Orden und Ehrenbezeugungen eines von ihm abgelehnten Systems qualifizierte, bleibt dem Leser vorenthalten. In der Selbstdarstellung des Professors ist die Wiedergabe dieser Entwicklung nicht zu erwarten, um nicht seine eigene Intelligenz, moralische Integrität und persönliche Würde in Frage zu stellen. Es ist jedoch eine beleidigende Manipulation, das Argument seiner Enttäuschung über die »Diktatur des Parteiapparates« als Motiv für die Flucht dieses ehemaligen Mitgliedes der DDR-Oberschicht anzudienen.

Mexiko LUDWIG F. BORNEMANN ehem. Student der Humboldt-Universität

Braucht man 25 Jahre, um das kommunistische SED-Regime zu durchschauen oder die Konsequenzen daraus zu ziehen? Beides spricht nicht für Herrn Loeser.

Forchheim (Bayern) DR. ALFRED DÖTTL

Jahrzehntelang haben sie (die Autoren) mit Rat und Tat, in Wort und Schrift ihren sozialistischen Göttern gehuldigt. Haben mitgebaut am »ersten sozialistischen Staat auf deutschem Boden«. Nun sind sie abgestürzt von der Leiter des Nomenklaturasystems unter Verlust ihrer Privilegien und Pfründe. Durch Interna vom Olymp der Arbeiter-und-Bauern-Macht werden sie nun bald ihre materiellen Einbußen kompensieren und sich hier domestizieren.

Darmstadt DIETMAR HUHLE

Da hat er lange Jahre fleißig die Privilegien der »Neuen Klasse« genutzt und (als Professor für Ethik) dafür wacker bei anderen Privilegierten ideologische Bauchschmerzen angesichts der Ungleichheit

im realen Sozialismus des Arbeiter-und-Bauern-Staates abbauen helfen. Nur haben auf Dauer die Mächtigen seine intellektuelle Überheblichkeit nicht immer richtig goutiert. Sollen wir jetzt deshalb all den Funktionärsklatsch lesen? Schlimmer noch, erfahren, was alles jener Staat publizistisch besser machen könnte, um sein System an die Ausgebeuteten raffinierter zu verkaufen?

Ludwigshafen DR. KARL-GEERT MALLE

BRIEFE

Zimperliche Liselotte

(Nr. 33/1984, Die Geschichte des Gestanks und der Hygiene von Paris) *

Ihr Bericht liest sich nicht besonders appetitlich, obgleich kaum zu überlesen ist, daß Ihr Berichterstatter bei aller Anrüchigkeit des Inhaltes ein gewisses Behagen erlebt hat. Das ist nicht erstaunlich: Er hat nämlich gespürt, was auch Schiller gespürt hat, der sich, so erfährt man, durch eine Schublade voll verstunkenen Inhaltes hat inspirieren lassen; und Beethoven, den man in späteren Lebensjahren nur erreichen konnte, wenn man den Weg über einen vollen, nota bene offenen, Nachtstuhl genommen hatte; und Mozart, in dessen Briefen Beschreibungen von fäkalen Inhalten das bevorzugte Thema ausmachen. Was die alle, zusammen mit den Franzosen gerochen haben, war dies, daß das Kreative aus dem Kreatürlichen kommt, naturnotwendig und unabtrennbar. Wo es steril wird, da wird's dann auch steril, und durchaus in dem doppelten Sinn des Wortes: nämlich sowohl reinlich keimfrei als auch unfruchtbar.

Zürich PROF. DR. A. R. BODENHEIMER

Der für feinste Lebensart berühmt gewesene Hof Ludwigs XIV. lebte der Bourgeoisie und dem gemeinen Volk im Schloß zu Versailles das traute Nebeneinander von Mensch, Kot und Urin vor. Der Sonnenkönig ging stets in Begleitung seiner Geliebten, der Frau de Montespan, auf den Nachtstuhl und plauderte vom Sitz aus lange und ausgiebig mit ihr. Hatte er sein Geschäft verrichtet, nahm sie den Platz ein und ließ sich von ihm unterhalten. Es störte den König nicht, daß die Höflinge in den Galerien des Schlosses urinierten oder zu diesem Zweck kurzerhand in die mannshohen Kamine traten, wobei sie ihre galante Konversation mit größter Selbstverständlichkeit fortsetzten. Als die Schwägerin des Königs, unsere deutsche Liselotte von der Pfalz, sich darüber beschwerte, daß die Herren ihr Wasser gegen die vergoldeten Türen ihres Salons abschlugen, wurde ihre Zimperlichkeit viel belächelt.

Aachen HENNER SCHEID

Ganz bestimmt ist es nicht beabsichtigt gewesen, Frances Milton Trollope als Landsmann und Mr. Trollope hinzustellen. Frances Milton Trollope, sie hieß mit Mädchennahmen Milton, war verheiratet mit Thomas Anthony Trollope, der aber bereits 1835 verstarb. Wer die Reisebeschreibungen der Mrs. Trollope gelesen hat, weiß, was für eine außergewöhnliche und bemerkenswerte Frau sie war. Um so mehr als weltreisende Frauen zu dieser Zeit ganz bestimmt rar waren und heute noch sind.

Wendlingen (Bad.-Württ.) ANNE-MARIE LIPPERT

In Ihrer Besprechung des bemerkenswerten Buches von Alain Corbin, »Pesthauch und Blütenduft. Eine Geschichte des Geruchs« werfen Sie der deutschen Wissenschaft vor, daß sie die Kloake den Kanalarbeitern und das Rosenwasser den Dichtern überlassen würde. In diesem Zusammenhang erlaube ich mir jedoch den Hinweis, daß sich bereits um 1950, also immerhin schon vor rund 35 Jahren, Herr Professor Walther Huber an der Fakultät für Bauwesen/Abteilung Architektur der Technischen Universität Karlsruhe mit einer »Der Abort« betitelten Arbeit habilitiert hat. Die genannte Untersuchung enthält einen auch heute noch interessanten Überblick über die historische Entwicklung der Fäkalienbeseitigung.

Graz PROF. DR. HELFRIED VALENTINITSCH Universität Graz

BRIEFE

Schuld am Debakel

(Nr. 29, 30, 32/1984, Report über den Hunger in Afrika) *

Daß das ökologische (und soziologische) Gleichgewicht hier und in Afrika schon lange aus den Fugen geraten ist, haben wir uns selbst zuzuschreiben. Das heißt nicht, daß wieder einmal nur der Imperialismus schuld ist, sondern verlangt lediglich, unsere eigene Verstrickung und Verantwortung für die Krise zuzugeben. Wir sollten wirklich nicht so tun, als ob wir schlauer als die Afrikaner wären - und Sie sollten nicht in der bundesdeutschen

Öffentlichkeit diesen Eindruck erwecken!

Stuttgart MARTIN BRÖCKELMANN-SIMON

Das Beste, was ich je zu diesem Thema gelesen habe.

Männedorf (Schweiz) PETER LANG-HOFSTETTER

Die Jahrhundertkatastrophe steht für Afrika erst noch bevor, sagen Sie - und Sie könnten recht haben. Es bahnt sich eine Katastrophe für Afrika an, wenn die Weichen in Politik und Wirtschaft nicht anders gestellt werden. Bloße Nahrungsmittelhilfe kann daran nichts ändern. Daher verstehe ich nicht recht, weshalb Ihr Reporter bemängelt, daß die den kirchlichen Hilfswerken über die Afrika-Hilfe der ARD zur Verfügung gestellten 41,5 Millionen Mark nicht unverzüglich in Nahrungsmittelhilfe umgesetzt wurden. Die für die Aktion Verantwortlichen beim Deutschen Fernsehen waren sich ebenso wie die Mitarbeiter der kirchlichen Hilfswerke von Anfang an darüber im klaren, daß zwar in einem gewissen Umfang Katastrophenhilfen, also auch Nahrungsmittel-Lieferungen, erforderlich seien, daß es aber viel entscheidender sei, mittel- und langfristige Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährungssituation in den vom Hunger betroffenen Ländern Afrikas einzuleiten. Misereor und Brot für die Welt haben darin eine 25jährige Erfahrung.

Aachen NORBERT HERKENRATH Misereor

Selbst wenn die dargestellten Zustände der Realität entsprechen sollten, empfinde ich es als gefährlich, einen solchen Artikel, aus dem mensch allzu leicht die Quintessenz: »selbst schuld« ziehen könnte, zu veröffentlichen, da er zur Einlullung unserer soeben erwachten »Wiedergutmachungsinstinkte« beiträgt. Schließlich haben Europäer (mit großem finanziellen Nutzen) die nördliche Hälfte Afrikas so buchstäblich verwüstet und tragen noch heute dazu bei.

Göttingen VERA SCHULZE

Endlich erscheint zu diesem wichtigen Thema die Berichterstattung eines kritischen Redakteurs, der vor Ort gründlich recherchierte, Hintergründe aufzeigt und die Probleme an der Wurzel faßt.

Lilienthal (Nieders.) JÜRGEN SCHUMACHER

Ein sehr mutiger Artikel. Bisher hat es keiner gewagt, diesen Themenkomplex mit solcher Schwerpunktlegung anzugehen. Die Gefahr der einseitigen, je nach Standort und Blickwinkel entsprechenden Auslegungsmöglichkeit ist unübersehbar.

Marl HANS-JÜRGEN REITMEYER

Der Wiedemannsche Artikel verhalf nicht dazu, afrikanische Mentalität verständlich zu machen. Da wird sein Begleiter geschildert mit »ausgefransten Schlitzohren«, bluttrinkend. Nichtsdestotrotz

gehört der aber wohl zu den »edlen Wilden«, die sich von den gewöhnlichen Wald- und Wiesennegern abheben (wie mag es erst bei denen zugehen?). Da haben wir einen Richter, so O-Ton Wiedemann, »dem man am Gesicht ansah, daß er dem Geruch« (meint er etwa Gestank?) »seiner Väter stark entwöhnt war«. Da bleibt nur noch eines zu wünschen: Gott erhalte Wiedemann seinen deutschen Rundschädel, die wohlgeformten Ohrmuscheln und -läppchen und seinen ihm eigenen Duft.

Bonn DAGMAR BERHANE

Zum Vorwurf, die Regierung in Mogadischu »jongliere mit abenteuerlichen Flüchtlingszahlen«, nur so viel: Da die meisten Flüchtlinge Nomaden sind, schwankt ihre Zahl von Zeit zu Zeit, was die Aufstellung einer zuverlässigen Statistik erschwert. Die mit 700 000 angegebene Zahl, auf die sich Uno und die somalische Regierung Anfang 1982 geeinigt haben, bezieht sich nur auf die in Lagern Ansässigen und schließt die unüberschaubare Dunkelziffer derjenigen Flüchtlinge aus, die Unterschlupf bei ihren Verwandten in Somalia finden. Die Zahl dieser Flüchtlinge dürfte nicht geringer sein als die der Registrierten. Auch wenn die von Ihnen angegebene reduzierte Flüchtlingszahl von 300 000 der Wahrheit entspräche, hätten Sie fairerweise zugleich erwähnen sollen, daß selbst 300 000 Flüchtlinge eine schwere Bürde für die Gesellschaft und eine Belastung für die Wirtschaft des Landes sind.

Bonn DR. ABDIRAHMAN H. H. ADEN Botschaft der Demokratischen Republik Somalia

BRIEFE

Des Menschen Wolf

(Nr. 33/1984, Weltbevölkerung: Zehn Milliarden Menschen im Jahr 2050) *

Als der Mensch des Menschen Wolf war, war's noch menschlich. Muß er sich jetzt als überhandnehmendes Ungeziefer verstehen, das mit Schädlingsbekämpfungsmitteln in Schach zu halten sei? Gemach, die nächste Eiszeit kommt bestimmt, wird alles göttlich regeln.

Hanau DR. MED. LYDIA RUNKEL

Die Tatsache, daß die katholische Kirche jegliche Empfängnisverhütung für sündig erklärt, ist in ihrer Perversion kaum zu übertreffen. Das Zitat »Religion ist Opium für das Volk« von Karl Marx trifft hier den Nagel auf den Kopf. In diesem Fall ist das Opium sogar tödlich für die Menschheit.

Bonn RAINER BOHNET

Die »Glücksbringer« in Form von Medikamenten und Schädlingsbekämpfungsmitteln, die den Drittweltländern die Senkung ihrer Sterberaten bescherten, machen die Industrienationen verantwortlich für das Massenelend und die Überbevölkerung. Damit haben sich die

Industrienationen ins Unrecht gesetzt. Sie tun es wieder, wenn sie, wie die USA, den Entwicklungsnationen eine Ethik aufzuzwingen versuchen, die wirksame Maßnahmen gegen die Bevölkerungsexplosion zu vereiteln sucht.

Würzburg JOCHEN MAADER

Als »Oberhirte« liebt der Papst angeblich jedes »Schaf« seiner Herde. Wie kann er trotzdem wollen, daß die sich unkontrolliert vermehrt, auch wenn dadurch immer mehr »Schafe« und vor allem »Lämmer« in den Entwicklungsländern nicht genügend Nahrung finden und daher, meist schon früh in ihrem ohnehin jämmerlichen Leben, verhungern?

Leutkirch HANS WITTEK

Man mag die Sache drehen und wenden, leider ist der gesamte Komplex sogenannter Entwicklungshilfe auf dem besten Wege, zu einer Art seelischem Selbstbefriedigungsritual zu erstarren und damit besonders für Forschung und Wirtschaft eine Alibifunktion rein profitorientierten Handelns abzugeben.

Diez (Rhld.-Pf.) DR. PETER R. WECK

Schon heute ist die Empfängnisverhütung mit Intrauterinpessaren (IUP) die führende Methode auf der Erde. Allein in der Volksrepublik China benutzen über 40 Millionen Frauen die »Spirale«, die dort allerdings schon immer in mehreren Größen zur Verfügung stand. Man erreicht auch bei Frauen, die noch kein Kind, oder nur eines, geboren haben, eine Verträglichkeit von mehr als 95 Prozent pro Jahr, wenn man bei jeder Frau die individuell große und geformte Gebärmutterhöhle in Betracht zieht und ein entsprechend kleines Kupfer-IUP einlegt. Anfängliche Infektionen werden vermieden, wenn das Röhrchen mit der »Spirale« unmittelbar vor der Einlage in eine antibakterielle Flüssigkeit getaucht wird. Dieser Flüssigkeitsfilm tötet Baktierien ab, die bei der Einlage in die Gebärmutterhöhle gelangt sind. Neuere »Spiralen« mit mehr Kupfer bieten über mehrere Jahre (mindestens fünf) ausreichende Sicherheit.

Düsseldorf DR. MED. P. A. MEIER-OEHLKE DR. MED. K. H. KURZ International Research Institut for Reproduction

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