Genie des Bösen - DER SPIEGEL
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RUSSLAND Genie des Bösen

• aus DER SPIEGEL 29/2003
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Moskauer Sicherheitsexperten befürchten nach zwei schweren Bombenanschlägen innerhalb einer Woche eine neue Welle von Attentaten tschetschenischer Terroristen. Beide Anschläge - den vom vorvergangenen Sonnabend, bei dem 14 junge Besucher eines Rock-Festivals umkamen, und die Explosion am Donnerstag vergangener Woche, die einen 29-jährigen Sprengstoffexperten tötete -, werden Extremisten aus der Kaukasusrepublik zugeschrieben. Zwar zählen die bewaffneten Rebellen nach Moskauer Angaben nur etwa 1200 Mann, aber russische Behörden erwarten weitere Attacken tschetschenischer Selbstmordattentäterinnen - »lebender Torpedos«. Nach Schätzungen des Inlandsgeheimdienstes FSB und Militärs soll es bis zu 150 dieser Terroristen geben, im Alter zwischen 16 und 30 Jahren. Meist handele es sich bei den speziell geschulten »schwarzen Witwen« um Ehefrauen, Schwestern und Cousinen getöteter Rebellen. Als Kopf der Selbstmordkommandos gilt Schamil Bassajew, 38, der eng zusammenwirkt mit dem aus Saudi-Arabien stammenden Muslim-Extremisten Abu al-Walid. Bassajew, berüchtigt, seit er 1995 im südrussischen Budjonnowsk die Patienten einer Klinik als Geiseln nahm (121 Tote), gilt Moskauer Fahndern als »Genie des Bösen«. Während Präsident Wladimir Putin mit Kraftsprüchen auf die Anschläge reagiert und fordert, »die Terroristen aus ihren Kellern und Höhlen herauszuzerren und zu vernichten«, sorgen sich hochrangige Militärs, die Attentäter könnten »ein zweites Chassawjurt herbeibomben«. In der kaukasischen Kleinstadt hatte Russlands Führung im August 1996 einen Waffenstillstand mit den tschetschenischen Separatisten vereinbart - und einen Abzug der russischen Truppen aus der Kaukasusrepublik.

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