Geradezu ein Verbrechen
(Nr. 4/1993, »Motzki«, das neue TV-Ekel; Interview mit »Motzki«-Autor Wolfgang Menge über deutsch-deutsche Aversionen)
Es ist unglaublich, daß in dieser für alle Deutschen, besonders die im Osten, schweren Zeit ein Mann wie Menge sich derart über uns äußern darf. *UNTERSCHRIFT: Halle (Sachsen-Anhalt) THOMAS BARTSCH
Wer wen nötiger hat, wird die Geschichte entscheiden. Herrn Menge können wir wohl alle gut entbehren. Er ist ganz einfach destruktiv. *UNTERSCHRIFT: Dresden DR. HERBERT KULLIK
Warum tut man uns das an? Hält das deutsche Fernsehen sein Publikum wirklich für so dämlich, daß es jeden Mist schluckt - müssen wir uns das gefallen lassen? *UNTERSCHRIFT: Pössneck (Thüringen) INES GRUNER
Was von Wolfgang Menge gesagt und auf Zelluloid gebracht wurde, ist ungeheuerlich. Es ist genau diese egozentrische, ungehobelte und intolerante Art, die im Ausland als typisch deutsch betrachtet und verabscheut wird. Um wieviel schlimmer muß dieses Verhalten erst von den Ostdeutschen empfunden werden. *UNTERSCHRIFT: Kopenhagen DR. W. HUBRICH
Was das Lamentieren angeht, so finde ich auch, daß wir Ossis zu kleinmütig sind. Eine fundamentale Wahrheit wird allerdings aus Wessi-Köpfen permanent verdrängt: Ganz Deutschland hat den Krieg angezettelt, und ganz Deutschland hat ihn verloren. Nicht die einen mehr und die anderen weniger. Darum ist es nur mehr als gerecht, daß jetzt daran etwas korrigiert wird und die Ossis einen Lastenausgleich von den Wessis bekommen und sogar fordern können. *UNTERSCHRIFT: Wernigerode (Sachsen-Anhalt) DR. RENATE HEMPEL
Meine Hoffnung ist, daß sich nur wenige Menschen aus den westlichen Bundesländern mit dem Gedankengut Menges identifizieren. Damit dies erreicht wird, darf sich der Ostbürger allerdings nicht durch die Beleidigungen so provoziert fühlen, daß er in lautes Fluchen ausbricht. Denn dann hätte Motzki sein Ziel ja erreicht. *UNTERSCHRIFT: Warin (Mecklenburg-Vorpommern) THOMAS WALTER
Unter den momentan in Deutschland herrschenden Schwierigkeiten, gegenseitiges Verständnis und die notwendige Akzeptanz herzustellen, ist diese Serie geradezu ein Verbrechen. *UNTERSCHRIFT: Ermershausen (Bayern) URSULA DANGE
Herr Menge irrt, wenn er meint, daß Westdeutsche wie sein TV-Held Motzki und seinesgleichen die sogenannten Ossis nicht brauchen. Sie werden gebraucht, und sei es nur als Feindbild. *UNTERSCHRIFT: Dresden ULRICH GRAF
Das arrogante Gerede Wolfgang Menges in diesem Interview, das in unverschämter Siegermanier die westdeutsche Ignoranz zur Schau stellt, läßt mich darüber erröten, eine Westdeutsche zu sein. Ist es wirklich so, daß Westler ausschließlich an die materielle Seite der Vereinigung denken können? *UNTERSCHRIFT: Würzburg DR. MARGRET POPP
Wie mag sich eigentlich Herr Menge fühlen, wenn ihm jemand sagen würde, er könne seine ganze Biographie wegschmeißen? *UNTERSCHRIFT: Berlin EDITHA HEGNER
Was bildet sich dieser Wolfgang Menge ein? Er hilft mit diesem überflüssigen »Motzki«, die ohnehin schwer genug verlaufende Wiedervereinigung zu sabotieren, wo immer es auch geht. *UNTERSCHRIFT: Meyenburg (Brandenburg) REINHARD HINZE
Dieser Artikel hat mich betroffen gemacht. Ich kann über den schäbigen Umgang mit den neuen Mitbürgern nicht lachen. Ich schäme mich für egoistische, überhebliche und rücksichtslose Schlaumeier aus den alten Ländern. *UNTERSCHRIFT: Lengede (Nieders.) MATTHIAS RACHUT
Ich verstehe Ihre Ostfreunde, Herr Menge. Sie bräuchte ich auch nicht. *UNTERSCHRIFT: Jena DR. PHIL. GERLINDE HOFMANN
Es ist bitter, so machtlos gegenüber diesen Diskriminierungen im vereinten Deutschland zu sein. Vae victis! *UNTERSCHRIFT: Berlin FELIX BERDERCH
Wer als Ostdeutscher den Artikel von Monika Maron (SPIEGEL 35/1992) aufmerksam gelesen hat, mußte wohl (oder übel) nahezu jedem Satz zustimmen. Demgegenüber stellen die Aussagen des Herrn Menge für mich die wohl dümmsten Plattheiten dar, die ich jemals zu diesem Thema gehört habe. Dummheit und Ignoranz eines Herrn Menge - für mich nicht mehr und nicht weniger als Rassismus. *UNTERSCHRIFT: Jena DR. THOMAS HAFFNER
Wer einem sogenannten Autoren wie Wolfgang Menge reihenweise Platz für diffamierende, dümmliche und ausfallende Äußerungen über Ostdeutschland erlaubt, kann jedes noch so kleine Flämmchen der Freude über »Ein Deutschland« ersticken lassen. *UNTERSCHRIFT: Jena GABRIELE BÜCH
Wenn die Serie halb so witzig und frech wird wie Ihr Menge-Interview, haben wir endlich mal was zum Lachen. Das tut not. *UNTERSCHRIFT: Groß Körist (Brandenburg) REINHARD MANIA
Auf Menge trifft, wie auf viele Westdeutsche, der Ausspruch zu: »Die Wessis haben keine Ahnung vom Osten, aber sie wissen alles besser.« *UNTERSCHRIFT: Frankfurt/Main ULRIKE GÄBEL
Dem Mann kann in Hinsicht auf die Wiedervereinigung geholfen werden. Mit einem kräftigen Tritt in den Hintern! *UNTERSCHRIFT: Rathenow (Brandenburg) UWE KENNKE
Im Einigungsvertrag haben Herr Schäuble und sein östlicher Gehilfe Krause die ehemalige DDR zur Kolonisierung freigegeben. Den materiellen Teil besorgen vorwiegend Geschäftemacher aus dem Westen. Den geistigen Part erledigen »Intellektuelle« wie Herr Menge mit ihrer grenzenlosen Arroganz. Bloß, kurzfristig ist es noch nirgendwo gelungen, aus einer Kolonie einen gleichberechtigten Landesteil zu machen. *UNTERSCHRIFT: Seeheim-Jugenheim (Hessen) ECKHARD STURM
Angenommen, in absehbarer Zeit könnte mehr als ein Sachse zu dem Urteil gelangen: Die aus dem Rheinland brauchen uns, aber wir brauchen sie nicht. Eine Utopie? Angesichts der Stimmen, die vor drohendem Wirtschaftsrückgang in den alten bei möglichem Anstieg in den neuen Bundesländern warnen, erscheint das so undenkbar nicht. Bleibt nur, auf die sprichwörtliche Gemütlichkeit der Sachsen zu hoffen. *UNTERSCHRIFT: Chemnitz KARL HEINZ RUDNICK
Ihr seid auf uns angewiesen, denn wir sind reich, und ihr seid arm. Schließen wir also ein Abkommen miteinander. Wir werden euch die Ehre gewähren, uns gefällig zu sein, unter der Bedingung, daß ihr uns das Wenige gebt, was euch nach der Vereinigung noch bleibt - für die Mühe, die wir auf uns nehmen, um euch zu bevormunden. *UNTERSCHRIFT: Barsinghausen (Nieders.) WOLF-DIETRICH MUSWIECK
Es stinkt mir, so etwas ausgerechnet im SPIEGEL lesen zu müssen. *UNTERSCHRIFT: Mittenaar (Hessen) HELMUT BALSER
Es ist unglaublich, wie die schon jetzt unmögliche Stimmung in Deutschland immer mehr angeheizt wird. Hier in unserer Firma ist es völlig nebensächlich, ob ein Mitarbeiter von der Ostküste oder aus dem Mittelwesten, aus Wales oder Schottland, aus Köln oder Leipzig kommt. Etwas problematisch wird es nur dann, wenn man irgendwo in einem Bus in China seinen Geschäftspartnern und anderen Mitreisenden gestehen muß, daß man auch Deutscher ist, während im Radio gerade wieder ein Bericht über die letzten Morde der Neonazis gesendet wird. *UNTERSCHRIFT: z. Zt. Hong Kong ANDRES RENN