Gerhard Pohl
Gerhard Pohl, 62, ostdeutscher Unternehmer, der als CDU-Wirtschaftsminister in der DDR-Regierung von Lothar de Maizière den ersten sozialistischen Staat auf deutschem Boden in die Marktwirtschaft führen wollte, kommt mit ihr nicht klar. Pohl übernahm nach der Wende den Betrieb seines Vaters, die Carl Pohl Textil- und Thermoplastherstellung in Forst. Seit 1999 müht sich Pohl, die Pleite abzuwenden. Der Bund verlangt von dem Mann, der jüngst seine CDU-Freunde aufforderte, wieder eine Ost-CDU zu gründen, 80 000 Mark Forschungszuschüsse zurück, da Pohl die entsprechenden »Bestimmungen im Wesentlichen nicht eingehalten« habe. Pohl hält dagegen, er habe nur nicht rechtzeitig gemeldet, dass er lediglich die Hälfte des Geldes zweckgebunden verbrauchen konnte. Die andere Hälfte hat er inzwischen zurückgezahlt. Immerhin handelte sich der ehemalige Minister wegen Subventionsbetruges 1996 eine Geldstrafe auf Bewährung ein. Weil er die Auflagen einhielt, wurde sie ihm inzwischen erlassen. Nun lautet Pohls Fazit nach zehn Jahren Wirtschafts- und Währungsunion: »Was da aus der BRD rübergeschwappt ist, ist nicht Marktwirtschaft, sondern eine Mischung aus Manchesterkapitalismus und Verbrechertum.«