»GESOCKS WIRD ERSCHOSSEN«
27.1.1942, mittags
Wer sich gegen die Gesellschaftsordnung an sich wendet, den schieße ich rücksichtslos nieder. Die GesellschafTsordnung, die ich aufbaue, ist der breiten Masse nicht unterlegen. Da können die anderen gegen Granit anrennen. Jeder Versuch, diesen Staat mit Gewalt zu erschüttern, wird mit Blut ertränkt ...
4.4.1942, mittags
Man dürfe kein Mitleid mit Leuten haben, denen das Schicksal bestimmt habe, zugrunde zu gehen ... Mitleid dürfe man überhaupt mit niemandem haben, dem die nötige Lebenshärte fehle. Nur der Musketier draußen oder der ehrlich arbeitende Erfinder, der nirgends Fuß fassen könne, verdiene Mitleid. Auch bei ihnen müsse das Mitleid aber selbstverständlich begrenzt sein und sich auf die Angehörigen der eigenen Nation beschränken ...
Die ganze Liebe, die sich in Mitleid ausdrücke, dürfe bei einer unverbildeten Führerschicht nur dem eigenen Volksgenossen unteilbar gelten. Das Christentum sei hierin eine gute Lehrmeisterin. Denn in der Ausrichtung der Liebe zu dem einen von ihm gewiesenen Gott sei es am fanatischsten, am ausschließlichsten und am unduldsamsten. Gerade so fanatisch, ausschließlich und unduldsam müsse die ganze Zuneigung der führenden Schicht Deutschlands dem tüchtigen deutschen Völksgenossen gelten ...
7.4.1942, abends
Wenn heute irgendwo im Reich eine Meuterei ausbreche, so würde er sie mit Sofortmaßnahmen beantworten. Als erstes würde er:
a) noch am Tage der ersten Meldung alle leitenden Männer gegnerischer Strömungen, und zwar auch die des politischen Katholizismus, aus ihren Wohnungen heraus verhaften und exekutieren lassen;
b) alle Insassen von Konzentrationslagern würde er innerhalb von drei Tagen erschießen lassen;
c) alle kriminellen Elemente, gleichgültig, ob sie zur Zeit in Gefängnissen wären oder sich in Freiheit befänden, würde er aufgrund der vorhandenen Listen ebenfalls binnen drei Tagen zur Exekution sammeln und erschießen lassen. Die Erschießung dieses einige hunderttausend Menschen umfassenden »Gesockses« lasse weitere Maßnahmen als überflüssig erscheinen, da damit die Meuterei aus Mangel an meuternden Elementen und Mitläufern von selbst zusammenbrechen würde ...
9.4.1942, abends
Gelegentlich der Schwierigkeiten an der albanischen Front habe auch er sich seinerzeit überlegt, was zu tun sei, wenn militärische Einheiten ohne Befehl zurückgingen und nicht zum Stehen zu bringen seien. Er sei zu dem Ergebnis gekommen, daß es gar keinen anderen Weg gebe als mit Erschießungen durchzugreifen. Zu erschießen sei aber nicht der kleine Infanterist, dieser arme Wurm, der die ganze Last des Krieges zu tragen habe und sich außerdem noch mit Verpflegungsschwierigkeiten, mit der Läuseplage und so weiter abfinden müsse. Zu erschießen sei vielmehr der jeweils höchste Führer der zurückgehenden Einheit, wobei man selbst bei der Person des höchsten Generals nicht haltmachen dürfe...
23.4.1942, mittags
Dem deutschen Manne müsse man eine ganz harte Erziehung mitgeben, gleichzeitig aber eine gesunde Lebensfreude ermöglichen. Wenn der deutsche Mann als Soldat bereit sein solle, bedingungslos zu sterben, dann müsse er auch die Freiheit haben, bedingungslos zu lieben.
Kampf und Liebe gehörten nun einmal zusammen. Der Spießer, der daran herumnörgle, solle froh sein, wenn er das bekomme, was übrig bleibe. Mit der kirchlichen Doktrin der Entsagung auf dem Gebiet der Liebe dürfe man dem Soldaten nicht kommen, wenn man ihn kampftüchtig erhalten wolle.
10.5.1942, abends
Sabotage könne man nur mit derselben Brutalität beantworten, mit der sie ausgeübt werde. Man müsse eben bestimmte Leute, etwa ein ganzes französisches Dorf, dafür haftbar machen, daß den deutschen Transporten auf den Straßen und Eisenbahnschienen in dem betreffenden Gebiet nichts passiere. Um ihren Kopf zu behalten, würden die die Strecken dann schon zur Genüge sichern.
Auch Himmler mache es in seinen Konzentrationslagern ähnlich. So habe er zum Beispiel mit bestem Erfolg einen zur Sicherungsverwahrung überstellten Brandstifter dafür verantwortlich gemacht, und zwar unter Androhung der Erschießung, daß im Lager keine Brände ausbrächen. Keiner brause so wachsam durch die Gegend wie dieser Bursche, der selbst eine Fülle von Brandstiftungen auf dem Kerbholz habe.
Man müsse aber immer auf die Tat sofort die Strafe folgen lassen, wenn die Sache wirken solle...
Man verliere den Krieg im Innern, wenn man nicht so rasch und brutal
durchgreife. Alle Staatsführungen müßten sich so oder so mit diesem Problem abfinden.
7.6.1942, mittags
Diesen Elementen, die aus religiöser Überzeugung nicht kämpfen wollten, müsse man aber entgegenhalten, daß sie offenbar aber essen wollten, was andere erkämpfen, daß das im Sinne einer höheren Gerechtigkeit aber nicht angehe und man sie deshalb verhungern lassen müsse. Wenn man davon Abstand genommen und sie, die sogenannten Bibelforscher, 130 an der Zahl, erschossen habe, so sei das seiner besonderen Milde zu verdanken. Übrigens hätten sich diese 130 Erschießungen wie ein die Atmosphäre reinigendes Gewitter ausgewirkt. Tausenden ähnlich Gesinnter sei bei der Nachricht von den Erschießungen der Mut vergangen, sich unter Hinweis auf... Bibelstellen ebenfalls um den Kriegsdienst herumzudrücken zu suchen.
Massenerschießungen in Polen*: »An Grausamkeit alle übertroffen«
* In Olkusz am 31. Juli 1940.