Gesten gegen Terrorismus - DER SPIEGEL
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ITALIEN Gesten gegen Terrorismus

• aus DER SPIEGEL 36/2002
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Es wird eng für die ehemaligen Mitglieder der Roten Brigaden und anderer italienischer Terrorgruppen, die sich vor dem Zugriff der Justiz nach Frankreich gerettet hatten: Ihre über Jahrzehnte feste Fluchtburg ist nicht mehr sicher. Vorvergangenen Sonntag kamen die französischen Behörden zum ersten Mal einem römischen Auslieferungsantrag nach und übergaben den 40-jährigen Paolo Persichetti der italienischen Polizei. Weil der Rotbrigadist an der Ermordung des Luftwaffengenerals Licio Giorgieri 1987 beteiligt war, wurde er 1991 zu 22 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Zuvor aber hatte er sich nach Frankreich abgesetzt. Dort wurde er vorübergehend inhaftiert, konnte dann jedoch unter dem Schutz der so genannten Mitterrand-Doktrin unbehelligt in Paris leben. Wegen politisch motivierter Verbrechen, so hatte der ehemalige sozialistische Staatschef François Mitterrand 1985 dekretiert, werde Frankreich niemanden ausliefern. Etwa 100 von insgesamt 140 flüchtigen Aktivisten aus Italiens blutigen siebziger und achtziger Jahren - in denen über 400 Menschen Bomben und Kugeln linker Terroristen zum Opfer fielen - fanden so im Nachbarland Unterschlupf. Die neue, konservative französische Regierung sieht sich nun an Mitterrands Grundsatz nicht mehr gebunden. Mitte September wird Italiens Justizminister Roberto Castelli seinem Kollegen an der Seine, Dominique Perben, 14 neue Auslieferungsanträge übergeben. Der hat schon deutlich gemacht, dass aus Paris weitere »Gesten der Solidarität der Europäer gegen den Terrorismus« zu erwarten seien.

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