GESTORBEN 2006 GESTORBEN BIRGIT NILSSON
BIRGIT NILSSON , 87. Die Intendanten in aller Welt lagen ihr zu Füßen, Opern-Enthusiasten schwebten im siebten Himmel, wenn die schwedische Heroine die Isolde in Wagners Liebesdrama sang. Rekordverdächtige 209-mal hat sie diese kräftezehrende Partie gesungen. Keine ihrer hochdramatischen Kolleginnen, weder Astrid Varnay noch Martha Mödl, konnte sich mit der stimmlichen Urgewalt der schwedischen Bauerntochter messen. Zum Theater war Nilsson erst nach etlichen Anläufen gekommen, ein tumber Gesangslehrer wollte ihre »pompöse Röhre« zu einem »Knödelorgan pressen«. Mit einer Stimmtechnik, die sie selbst entwickelte, trieb sie ihr gewaltiges Organ zu Höchstleistungen, die selbst ihrem Vater unheimlich waren. »Finden Sie nicht auch, dass meine Tochter zu laut singt?«, fragte er einmal einen Sitznachbarn in der Stockholmer Oper. 1947 hatte Nilsson auf der Hauptstadt-Bühne ihren Durchbruch, wenig später war sie umjubelter Gast in allen großen Opernhäusern, vor allem aber in Bayreuth. »La Nilsson« sang Wagner und immer wieder Verdi, zuletzt hatte sie mit Richard Strauss' »Frau ohne Schatten« Erfolg. Nilsson war bekannt für ihr komisches Talent - »ohne Humor hätte ich dieses Leben gar nicht bewältigt«. 1982 zog sie sich von der Bühne zurück. Zu Hause, auf ihrem Gehöft bei Malmö, schmetterte sie gern noch einmal ein wagnerianisches »Hojotoho« vorm Radio. Birgit Nilsson starb, wie erst Anfang des Jahres bekannt wird, am 25. Dezember 2005.