GESTORBEN 2006 GESTORBEN MARKUS WOLF
MARKUS WOLF , 83. Ein unbeugsamer Kommunist ist er auch nach dem Untergang des bankrotten SED-Staats geblieben. 30 Jahre hat Wolf den DDR-Geheimdienst geleitet, Tausende sozialistische Schlapphüte in den Westen expediert. Der Wolf-Agent Günter Guillaume brachte 1974 den SPD-Kanzler Willy Brandt zu Fall. Der »Mann ohne Gesicht«, von dem bis zur SPIEGEL-Veröffentlichung 1979 jahrzehntelang kein Foto existierte, war eine der geheimnisvollsten und schillerndsten Figuren des Kalten Kriegs, geschätzt auch von seinen Spionage-Gegnern in der Bundesrepublik. Der smarte »Mischa«, als Sohn des jüdischen Dramatikers Friedrich Wolf im schwäbischen Hechingen geboren, war ein weltläufiger, hochintelligenter Bourgeois, den die DDR mit Orden überhäufte. Nach der Wende fürchtete er eine Verurteilung im Westen wegen Landesverrats und setzte sich nach Moskau ab. Zurück in Berlin, wurde er 1997 zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Am 9. November, dem 17. Jahrestag des Mauerfalls, ist Markus Wolf in Berlin gestorben.