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Gezahlt wird aus der Staatskasse

Hat die Berliner Bank im Fall Garski versagt?
• aus DER SPIEGEL 4/1981
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Mitarbeiter des Architekten Dietrich Garski ahnten schon lange, daß es mit ihrer Firma nicht zum besten stand. Sie hatten wohl eine bessere Informationsquelle als Bankiers und Bürgen.

Es war der Papierkorb, der in Garskis Firma neben dem Kopiergerät stand. Dort entdeckten findige Kollegen achtlos weggeworfene -- weil fehlerhafte -- Kopien interessanter Dokumente. Aus denen erfuhren sie, was der Chef ihnen nicht sagen wollte.

Garski und der Aufsichtsrat seiner Bautechnik AG -- das ging aus den Papieren hervor -- sorgten sich bereits vor Jahren wegen Auftragsmangels und häufig leerer Kassen. »Schon 1978 haben wir fast Monat für Monat nachgefragt«, erinnert sich Bautechnik-Betriebsrat Leo Hölscher, »ob unsere Gehälter auch sicher seien.«

Solch kleinliche Zweifel an der unternehmerischen Tüchtigkeit Garskis schienen die Geldgeber des Star-Architekten nicht zu plagen. Die Berliner Bank bewilligte der Bautechnik im Herbst 1978 einen Großkredit (63 Millionen Mark), den das Land Berlin zu 90 Prozent verbürgte und der dem Senat schließlich zum Verhängnis wurde.

Dabei mußten die Kreditexperten der Berliner Bank und das in diesem Fall verantwortliche Vorstandsmitglied Jakob Kehren keineswegs in Papierkörben kramen, um Garskis Bonität beurteilen zu können. Auch mit den bescheidenen Möglichkeiten einer Großbank hätten sich die Schwächen des prominenten Kunden wohl erkennen lassen.

Andere Banker hatten das jedenfalls geschafft. Weder die Berliner Disconto Bank (Deutsche Bank) noch die Dresdner-Tochter Bank für Handel und Industrie (BHI) mochten Garski 1978 einen Millionenkredit geben: Die Bilanzen der Bautechnik waren -- so ein BHI-Experte damals -- »grauenvoll«.

»Wir haben im Fall Garski«, meint Horst Buchholz, Direktor der Berliner Bank, »die uns obliegende Sorgfaltspflicht erfüllt.« Darauf verließ sich dann auch der Bürgschaftsausschuß des Landes, in dem je ein Vertreter des Finanz- und Wirtschaftssenators sowie ein Mann aus der Landeszentralbank sitzen.

Das Ergebnis der gemeinsamen sorgfältigen Bemühungen: Ein 128-Millionen-Kredit ist verloren, 115 Millionen Mark sind davon staatlich verbürgt. Gezahlt wird in jedem Fall aus der Staatskasse, denn die Berliner Bank gehört dem Land Berlin.

In Garski, der bis dahin in Berlin mit Schulprojekten sowie dem häßlichsten Neubau der Stadt (Aschinger am Zoo) aufgefallen ist, sahen die Bank und der Senat offenbar den Mann, der große internationale Aufträge nach Berlin bringen könnte. Garski jagte im Frühjahr 1978 einem Kontrakt in Saudi-Arabien nach, bei dem es um Schulbauten für 260 Millionen Mark ging.

Den Auftrag bekam die Bautechnik zwar nicht, obwohl Garski bereits Millionen an Schmiergeldern verteilt hatte. Aber weil der dynamische Unternehmer so schön im Zuge war, stieg er kurzentschlossen in das Projekt einer belgischen Gruppe ein, mit der er den Saudis zwei Militärakademien für gut eine halbe Milliarde Mark bauen wollte.

Der Bank war's auch recht, obwohl die Experten schon damals sahen, daß »die Größenordnungen nicht paßten« (Buchholz). Garskis Bautechnik AG hatte zwei Millionen Mark Kapital.

Aber das müsse man, so Bankvorstand und Jurist Kehren, »ex tunc« sehen, »aus dem damaligen Gesichtswinkel«. Und der war offenbar ein wenig verstellt.

Denn bei Durchsicht der Kreditunterlagen hätten in der Bank alle Alarmglocken schrillen müssen. Zwar reichte Garski der Berliner Bank eine testierte Bilanz von 1976 ein, aber mit anderen Unterlagen ließ er sich Zeit.

Wohl aus gutem Grund. Denn als der Aufsichtsrat des Unternehmens im Oktober 1979 endlich den Jahresabschluß 1977 billigte, mußte er feststellen, daß die Wirtschaftsprüfer die Bilanz nur mit Einschränkungen testiert hatten. Das gleiche passierte dann auch im Juni des darauffolgenden Jahres, kurz bevor der Kredit noch einmal um 25,8 Millionen Mark aufgestockt wurde.

Die Berliner Bank nahm es dabei auch hin, daß Garski und sein Aufsichtsrat aus geltendem Recht eine Farce machten. Sowohl 1979 als auch 1980 beschloß der Bautechnik-Aufsichtsrat »gemeinsam mit dem Vorstand« (also Garski), die Feststellung des Jahresabschlusses »gemäß ¿ 173 Abs. 1 AktG der Hauptversammlung zu überlassen«.

Da gab es keine Probleme: Einziger Aktionär war Dietrich Garski.

Wie wenig die Bank in der Lage war, genau zu überwachen, was Garski mit ihren Millionen machte, zeigte sich schließlich im Mai vergangenen Jahres. Weil der Bau der Militärakademie nicht mehr vorankam, weigerten sich die Saudis, fällige Raten zu zahlen.

Erschreckt schickte die Bank einen Bauexperten, den selbständigen Wirtschaftsberater Gerhard Bügler, nach Nahost. Der brauchte nur einen Tag in der Wüste, um herauszufinden, daß Garski in der Hälfte der vorgesehenen Bauzeit erst ein Fünftel der erforderlichen Leistung geschafft hatte.

Trotzdem warf die Bank noch einmal gutes Geld dem schlechten hinterher. Und auch die staatlichen Bürgen spielten -- im Juli 1980 -trotz angeblicher Bedenken des damaligen Finanzsenators Klaus Riebschläger noch einmal mit.

Jetzt werden die Belgier allein weiterbauen, der Konkursverwalter macht die Aufräumarbeiten in Berlin, Garski liegt irgendwo im Ausland in der Sonne, und 200 Arbeitnehmer brauchen einen neuen Job --Senatoren nicht mitgezählt.

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