LANDWIRTSCHAFT Giftige Schlamperei
Der Deutsche Bauernverband (DBV) möchte die Ergebnisse einer Umfrage unter Verschluss halten, die zeigt, wie nachlässig seine Mitglieder noch immer mit Pestiziden umgehen. Rund 1000 Landwirte waren in den vergangenen Monaten im Auftrag des DBV und des Industrieverbandes Agrar (IVA) zu ihrem Umgang mit Pflanzenschutzmitteln befragt worden. Mehr als ein Drittel bekannte dabei freimütig, dass die Spritzbrühe beim Einfüllen in die Transportbehälter auf dem Hof regelmäßig überschwappe. Die Ackergifte gelangen so auf direktem Weg in die Umgebung. Das Berliner Umweltbundesamt hatte diese so genannten Hofabläufe schon vor Jahren als vermeidbar gegeißelt; sie tragen nicht unerheblich zur Belastung des Grundwassers bei. Die aktuelle Umfrage entzweit nun ihre Initiatoren: Die IVA, ein Zusammenschluss deutscher Pestizid- und Düngemittelhersteller, stört sich an den Negativschlagzeilen über Funde ihrer Giftprodukte in der Umwelt und möchte die Umfrage-Ergebnisse veröffentlichen. Dies, so hofft die IVA, würde den Druck auf die Landwirte erhöhen, umweltbewusster zu arbeiten. Der DBV dagegen fürchtet weiteren Imageschaden fürs Landvolk.