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Briefe

GOLDENE EIER?
• aus DER SPIEGEL 41/1970
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

GOLDENE EIER?

(Nr. 37/1970, Pfandbriefreform)

Die von Wilhelm Hankel, Bundeswirtschaftsministerium, geplanten Maßnahmen, für die »kleinen« Pfandbriefinhaber Möglichkeiten zu schaffen, die empfindlichen Kursverluste, von denen die Großanleger (zum Beispiel Banken und Versicherungen) sich durch sogenannte Pensionsgeschäfte zu schützen wissen, abzufangen, sind sehr zu begrüßen und sollten unverzüglich vom Gesetzgeber verwirklicht werden. Die -- wie nicht anders zu erwarten war -- ablehnende Haltung der Pfandbriefinstitute läßt den Verdacht aufkommen, daß das Profitstreben dieser Institute Vorrang hat vor der Einigungspflicht der -- inzwischen allerdings eingestellten Werbeversprechungen für die einzigartige Kapitalanlage in »goldenen Eiern«.

Bremen ALBRECHT RAUTERBERG

enthüllt in dankenswerter Weise dem großen Kreis der Hypothekenpfandbrief-Besitzer und -Sparer, auf welche skrupellose Weise sie übers Ohr gehauen werden und wie die Hypothekenbanken und andere sich Geld in die eigene Tasche stecken, das Rechtens dem Sparer zufließen müßte.

Prien (Bayern) W. SCHÖNHEER Wie die Kaufrekorde in den letzten Monaten zeigen, sind heute die achtprozentigen Pfandbriefe für den Sparer die goldenen Eier. Vor nicht langer Zeit galt das noch für die sechs prozentigen und die niedriger verzinslichen Pfandbriefe; sie wären es noch, wenn eine zielstrebige Stabilitätspolitik die Überhitzung der Konjunktur und die Zinsübersteigerungen vermieden hätte. Mit aUen Sparern, nicht nur mit den Pfandbriefgläubigern, teilen die Hypothekenbanken die Sorge um die Geldwertverluste.

Bonn H. NONNENMÜHLEN Verband privater

Hypothekenbanken e. v.

Die jährlichen Tilgungserlöse sollten ohne Rücksicht auf das Ende der Laufzeit einer Pfandbriefserie den Pfandbrief-Inhabern durch Teilrückzahlung zugute kommen. Es gibt aber eine sehr viel praktikablere Möglichkeit, die in anderen Ländern angewandt wird: Der Hypothekenschuldner hat das Recht, statt in bar, mit Pfandbriefen der Hypothekenbank, deren Schuldner er ist, zum Nennwert zurückzuzahlen. Er kauft sie zu diesem Zwecke an der Börse und verdient an dem Kursabschlag. Andererseits bewirkt die hierdurch hervorgerufene Nachfrage automatisch eine Kurspflege, durch die sich der Kurs in der Nähe der Parität hält.

Quito (Ecuador) ERNST HERTZBERG Die Reihe der von Ihnen gebrachten Kursverfallbeispiele brauchen wir nur um ein weiteres zu ergänzen, um das deutlich zu machen: Die sechsprozentige Anleihe der Bundespost vom 1. Februar 1969, die mit zwölfjähriger Laufzeit zu 98 von Hundert ausgegeben worden ist, notierte am 30. Juni 1970 mit 80 1/4 von Hundert. Der Kursverlust betrug also zirka 18 von Hundert. Damit wird zugleich deutlich, daß mit der Abkürzung von Laufzeiten, die in Ihrem Artikel als Heilmittel dargestellt wird, das Problem sich auch nicht lösen läßt. Die Tatsache läßt sich nicht hinwegwischen, daß sich laufende Geldwertverschlechterungen auf alle Geldkapitalforderungen nun einmal nachteilig auswirken müssen. Dem vor einigen Monaten gefallenen mahnenden Ausspruch des ehemaligen Bundesbankpräsidenten Blessing, daß jede Inflationierung ein Betrug am Sparer sei, brauchen wir nichts hinzuzufügen.

Frankfurt DR. M. ROHDE Gemeinschaftsdienst der Boden- und Kommunalkreditinstitute

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