GOLDENER SCHNITT - DER SPIEGEL
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Briefe

GOLDENER SCHNITT
• aus DER SPIEGEL 19/1970
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GOLDENER SCHNITT

(Nr. 14/1970, Mode)

Haben sich die Modeschöpfer schon einmal Gedanken darüber gemacht, was in der Frauenmode gut aussieht? Mir scheint, sie machen sich nur Gedanken, wie der Umsatz gesteigert werden kann. Gerade jetzt, wo der Versuch unternommen wird, Midi und Maxi einzuführen, zeigt sich die Geschmacksverirrung, an der die Modeschöpfer leiden. Sind diese denn gar nicht in der Geschichte und in der Mathematik bewandert? Haben sie noch nie etwas vom »Goldenen Schnitt« gehört? Ich habe mir einmal Gedanken darüber gemacht, wie man den Goldenen Schnitt in der Mode (Rocklänge) anwenden kann. Was ist der Goldene Schnitt? Er ist eine Streckeneinteilung in zwei ungleich lange Teilabschnitte, die jedoch in einem bestimmten Verhältnis zueinander stehen. Eine solche Teilung hatte jahrhundertelang Bedeutung in der Ästhetik. Berühmte Bildhauer, Baumeister und Maler wandten sie an. Bild 1 zeigt einen Menschen, dessen Körper nach dem »Goldenen Schnitt« aufgeteilt ist. Bezeichnet man die gesamte Körperlänge mit »1«, den Abstand von Kopf bis Nabel mit »a« und den Abstand Nabel-Fuß mit »b«, so ergibt sich folgende Beziehung: a:b = b:1.

Durch Auflösen der Gleichung bekommt man die Formel a = 0,385 x 1

Denselben Goldenen Schnitt kann man auch auf die Rocklänge anwenden, Bild 2 zeigt ein Beispiel. Hier gilt ebenfalls die Beziehung a = 0,385 x 1; das heißt für jede Körperlänge »1« kann »a« errechnet werden; daraus ergibt sich die wichtige Erkenntnis, daß nur die Mini-Mode schön ist. Nur sie basiert auf dem Goldenen Schnitt. Nur sie gibt der Frau entsprechend den Normen der Kunst ein vorteilhaftes Aussehen. Oder haben sich die berühmten Künstler seit Jahrhunderten geirrt? Ich glaube, dies ist die Lösung, um den Midi- und Maxi-Diktatoren das Handwerk zu legen. Wann hört die Frau auf, sich von solchen Geschäftemachern bevormunden zu lassen? Hoffentlich besinnt sie sich jetzt mit Hilfe des Goldenen Schnitts auf ihre Schönheit. »Frauen, denkt daran, Ihr habt jetzt ein Argument, den Goldenen Schnitt!«

Mülheim (Nrdrh.-Westf.) HORST KLEIBRINK

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