Kirchen Gottes Hausverkauf
Die Katholiken kämpfen fürs Kreuz, die Protestanten haben andere Sorgen: Die evangelische Kirche sieht sich bemüßigt, Gotteshäuser loszuschlagen. Vor allem in Ostdeutschland brechen die Landeskirchen das Tabu und stoßen einzelne Betstätten ab. In Mecklenburg-Vorpommern stehen drei Dorfkirchen zum Verkauf, in Sachsen offeriert das Landesamt für Denkmalpflege zwei Gotteshäuser aus dem 17. Jahrhundert. Grund: Für die Sanierung fehlt das Geld, für lebendige Frömmigkeit mangelt es an Gläubigen.
Die Magdeburger Landeskirche beschloß, daß »einer nichtkirchlichen Nutzung von Kirchen grundsätzlich nichts im Wege steht«. Bischof Christoph Demke: »Es gibt allerdings zu wenige geeignete Interessenten.« Denn so bunt wie etwa in Holland, wo Kirchen schon in Schwimmbäder verwandelt wurden, soll die Säkularisierung hierzulande nicht getrieben werden.
Elisabeth Lingner, Synodenpräsidentin der Nordelbischen Kirche, meint, angesichts der Finanzmisere bei den Kirchen dürfe der Verkauf auch im Westen kein Tabu mehr sein. In ganz Deutschland haben von 25 000 evangelischen Kirchen 50 einen neuen Herrn gefunden.
In der Spandauer Lutherkirche werden neun Sozialwohnungen hochgezogen, die Dresdner Garnisonskirche beherbergt den Kostümfundus der Sächsischen Staatsoper. In Landsberg am Lech dient die Leonardi-Kapelle des Ursulinenklosters als Blumenladen. Andernorts sorgen ehemalige Gotteshäuser weiterhin für Erbaulichkeit - als Museum für Jagd und Fischerei in München oder für Motorräder im pfälzischen Otterbach.