Gottgegebenes Recht
Nr. 39/2000, Titel: Ölkrise 2000; Wie eine Pendlerfamilie den Ölpreis-Schock verkraftet; Wie sich eine Energiewende organisieren lässt
Wie viele Jahre und Jahrzehnte wollen sich die Deutschen und Europäer noch verschaukeln lassen von Konzernlenkern, die angeblich keine Alternativen sehen, von Politikern, die sich auf verschiedenste Weise von diesen aushalten lassen und nur ihre Wiederwahl be- und den Fortschritt hintertreiben. Jedes Jahr werden Milliarden über Milliarden zu den Scheichs und anderen geschaufelt, die wiederum über verschachtelte Beteiligungen Einfluss nehmen und Alternativen zum Öl verhindern. Deutschland, einst führend in Forschung, Wissenschaft und Technik, sollte es sich zur nationalen Aufgabe machen, als erstes Land unabhängig zu werden von Öl und Atom. Wir können aber noch 20 Jahre weiter unser Geld verfeuern, es ist sowieso nicht mehr viel wert. Oder glaubt jemand, ohne Ökosteuer kostet Benzin bald wieder 1,50 Mark?
STAHNSDORF (BRANDENBURG) STEFAN JASTER
Ich befürchte, für die Mehrheit aller Deutschen bedeutet es eine Einschränkung der persönlichen Freiheit, beim Heizen das Fenster zu schließen. Wenn's gar um die heilige Kuh Auto geht, bekomme ich vollends die »vergeblich Öko sein«-Krise. Wie wenig ist die Lebensqualität des von Ihnen beschriebenen »Mittel-Klasse-Deutschen« eigentlich wert, wenn sich diese an der Zahl der PS und Zylinder seiner Autos bemisst. Es ist doch wohl eher ein Verlust an Lebensqualität, wenn durch exzessiven Energieverbrauch die saubere Luft zum Atmen knapp wird.
SCHROBENHAUSEN (BAYERN) HARALD BROSI
Spediteure, Unter-Glas-Gärtner und Taxiunternehmer müssen wohl langfristig das Schicksal der deutschen Bergleute teilen: Entweder das ganze System wird auf alternative Energieversorgung und intelligentere Transport-Logistik umgestellt, oder alle gehen gemeinsam den Bach runter. Wir alle sollten langsam lernen, das Wort Klimakatastrophe zu buchstabieren.
BAD CAMBERG (HESSEN) WOLFGANG FLADUNG
Es ist beschämend wie der fiese, fiese Schröder der ach so braven Pendlerfamilie Prinz ihr gottgegebenes Recht auf Verschwendung streitig machen will. Skandal! Leider wird sich erst dann ein Erfolg einstellen, wenn diese Familie begriffen hat, dass sie mit ihrem Verhalten nicht mehr zukunftsfähig ist und eine Änderung dringend nötig ist. In Abwandlung eines alten Zopfes kann man Schröder nur zurufen: Weiter so!
OLDENBURG MICHAEL ANBERGEN
Um die so genannte Ökosteuer wird doch viel zu viel Gedöns gemacht. Ich wette, dass, wenn die Bundesregierung morgen die Mineralölsteuer um eine Mark senken würde, die Konzerne übermorgen eine Mark mehr verlangen würden.
KREFELD FRIEDRICH W. TOONEN
Nicht die Politiker gehören »komplett ausgetauscht«, sondern ein Teil des Hirninhalts von Vater Prinz: »Benzinsparen war nie ein Thema«. Leuten seines Schlages ist wohl nicht bewusst (oder schlichtweg gleichgültig), dass jeder Liter verbrauchten Öls den Treibhauseffekt anheizt und damit die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen zerstört. Wo es an Einsicht fehlt, muss es eben ein hoher Ölpreis richten!
STUTTGART PETER PFOMANN
Der Aufruf, weniger zu fahren oder aber sparsamer, ist keineswegs zynisch. Anscheinend kostet Benzin aber immer noch nicht genug, sonst würde man sich mit 120 km/h auf der Autobahn nicht wie ein Verkehrshindernis vorkommen.
OBERSCHLEIßHEIM CHRISTIAN BOTSCHAFTER
So sehr die standhafte Haltung der Bundesregierung bei der »Ökosteuer« zu begrüßen ist, so erbärmlich ist es für eine rotgrüne Koalition, die für die wirtschaftlich Schwachen erforderliche Anpassungshilfe als steuermindernde Entfernungspauschale zu gestalten, die wieder denen viel gibt, die es nicht nötig haben, und denen wenig gibt, die es dringend brauchen. Anstelle der steuermindernden Entfernungspauschale müsste diese Regierung, eine steuerunabhängige Entfernungspauschale - zum Beispel 0,80 Mark/km - gewähren, die dann mit dem jeweiligen Spitzensteuersatz als Einkommen zu versteuern wäre.
OBERREIFENBERG (HESSEN) DR. EBERHARD BLAUM
Auch mir fällt es schwer, auf das Auto zu verzichten. Trotzdem nehme ich jeden Morgen den Stress auf mich, mich in überfüllten und zum Teil verspäteten Zügen zur Arbeit bringen zu lassen. Aber anscheinend fehlt bei einem Großteil der Bevölkerung das ökologische Bewusstsein. Dem Auto und somit auch dem Güterverkehr auf der Straße kann und darf die Zukunft nicht gehören. Dass die Ökosteuer vor allem eine gerechtfertigte »Erziehungssteuer« ist und keine Abzockerei, scheint nur die Minderheit ernst zu nehmen. In 50 Jahren wird man angesichts fehlender Energievorräte und ökologischer Missstände vielleicht vernünftiger sein, aber leider fehlt dem Menschen die Fähigkeit zur Voraussicht und Vorsorge.
VIERSEN (NIEDERS.) DANNY MEYER