Grausig anzusehen - DER SPIEGEL
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Grausig anzusehen

• aus DER SPIEGEL 29/1974
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Gegen den geschlossenen Widerstand seiner Hauptabteilungsleiter holte NDR-Intendant Martin Neuffer das Dritte TV-Programm aus dem Sommerschlaf. An zwei Tagen übertrug NDR III vorige Woche die erste Plenarsitzung des neuen niedersächsischen Landtags -- erst Ministerpräsident Alfred Kubels Wiederwahl, dann seine Regierungserklärung und schließlich eine langwierige Debatte darüber »in epischer Breite, so daß es manchmal wirklich grausig anzusehen war« (Neuffer). Die Zuschauerbeteiligung, wegen der offiziellen Sommerpause (bis zum 20. September) wohl allenfalls in Promille zu schätzen, stand nach Ansicht leitender TV-Leute in keinem vertretbaren Verhältnis zum Aufwand. Allein die Anmietung eines Übertragungswagens, die eigenen waren noch marode von der Fußballweltmeisterschaft, kostete den NDR 25 000 Mark. Da Kubel selbst um diese Übertragung gebeten hatte, sieht sich Neuffer demnächst schon von den Länderchefs in Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein bedrängt ("Natürlich kommen die jetzt auch"), doch er will sie mit einer Zusammenfassung am Abend abspeisen: »Damit wäre den Politikern ein besserer Dienst erwiesen.«

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